Wo geht es hin? Die Unsicherheit darüber beschäftigt auch Junge. Verständlich, sie stehen ja zwischen gestern und morgen quasi in einer Art Niemandsland mit ihrer Notwendigkeit, ein halbwegs planbares Arbeitsleben zu bestreiten.

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So gut es geht bewahren, was zu entschwinden droht, das scheint derzeit die Devise im Arbeitsleben der Österreicher zu sein. Die Marktforscher von marketagent.com haben das aktuell im Auftrag der Jobplattform karriere.at herausgefunden: Finanzielle Sicherheit ist da auf Platz eins bei den Erwartungen an den Job. Prämien wünschen sich die meisten Österreicher als Benefit.

Vertrauen liegt auf Platz zwei, das bedeutet, dass zu den dringendsten Wünschen gehört, auf stabiler Beziehungsbasis gebraucht und wertgeschätzt zu werden. Zwar wollen angeblich fast zwei Drittel wechseln, aber nur, wenn es mehr Kohle gibt. Work-Life-Balance ist nicht oberste Priorität (Artikel S. K 8).

Große Ängste

Das gibt Anlass zur Frage, wie sich die Arbeitenden aktuell fühlen. Offenbar ist die Stimmung von Verlustängsten geprägt, von Furcht, abzusteigen, rauszufallen. Das betrifft einerseits die schlechter Ausgebildeten, sie fürchten sich am meisten, durch die fortschreitende Digitalisierung den Job zu verlieren.

Es betrifft andererseits aber auch Junge, denn bei ihnen fördert diese repräsentative Umfrage auch die größten Ängste zutage. Verständlich, sie stehen ja zwischen gestern und morgen quasi in einer Art Niemandsland mit ihrer Notwendigkeit, ein halbwegs planbares Arbeitsleben zu bestreiten. Dass sie alles wollen, nämlich Spaß, Geld, Sinn und Sicherheit – na klar, das steht den Jungen auch zu, das von ihrem Leben zu verlangen. Dass diese Wünsche voller Lebenslust jetzt schon unter der Angstglocke hängen, ist schlecht. Ein solch defätistisches Zukunftsbild ist kein gutes Omen.

Sicherheit statt Hängematte

Während sich Unternehmen unter Druck fühlen, ihre Positionen mit coolen Hängematten im Palmenschatten, der optimalen Work-Life-Balance und der angenehmsten Arbeitsatmosphäre auszuschreiben, sind ihre Kandidatinnen und Kandidaten offenbar anders gepolt. Sie wollen Sicherheit und Geld, Vertrauen, also keine Nummer sein. Sie wollen Verantwortung tragen, um unentbehrlicher zu sein. Sie wollen eine Perspektive, um ihr Leben ordnen zu können.

Möglich, dass dabei auch die Ernüchterung nach dem Start-up-Hype eine Rolle spielt. Möglich, dass dazu auch die Enttäuschung der Millennials beiträgt, die sich ergibt, wenn sie den Gap zwischen Versprechen und Wirklichkeit erleben. Für Firmen jedenfalls eine wichtige Information und ein Hinweis für ihre Kommunikation. (Karin Bauer, 27.9.2019)