Bloomberg-Journalisten werden des Versuchs der Manipulation der Märkte beschuldigt – Insgesamt gibt es 38 Angeklagte

Foto: AP

Zwei Reporter der Nachrichtenagentur Bloomberg haben sich am Freitag vor einem Gericht in Istanbul gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt, mit einem Artikel während der Währungskrise vergangenes Jahr versucht zu haben, die Märkte zu manipulieren.

In dem Artikel vom 10. August 2018 schrieben die beiden Journalisten Kerim Karakaya und Fercan Yalinkilic, dass die türkische Bankenaufsicht nach dem dramatischen Absturz der Lira eine Krisensitzung abhalten werde.

"Wir haben unseren Job gemacht"

Karakaya sagte bei der Gerichtsanhörung am Freitag, er könne nicht verstehen, warum ihr Artikel eine solche Aufmerksamkeit erhalten habe, da es völlig normal gewesen sei, dass die Bankenaufsicht eine Sitzung abhalten würde. "Wir haben unseren Job gemacht: unsere Leser informieren", sagte Karakaya. Sein Kollege Yalinkilic verwies darauf, dass der Artikel aktualisiert worden sei, nachdem die Bankenaufsicht dementiert hatte, eine Sitzung zu planen.

Der Türkei-Vertreter der Organisation Reporter ohne Grenzen, Erol Önderoglu, bezeichnete den Prozess als weiteren Beleg für eine "neue besorgniserregende Tendenz, die Berichterstattung über Wirtschaftsfragen anzugreifen". Präsident Recep Tayyip Erdogan hat westlichen Medien wiederholt vorgeworfen, die türkische Wirtschaft schlecht machen zu wollen. Mitte Juni erhob die Justiz Anklage gegen die beiden Bloomberg-Reporter.

36 weitere Angeklagte

Mit ihnen stehen 36 weitere Angeklagte wegen Äußerungen zum Absturz der Lira vor Gericht, darunter viele gewöhnliche Bürger. "Ich glaube nicht, dass ich die Gesetze der Kapitalmärkte beeinflussen kann. Meine Tweets sind nicht verantwortlich für den Anstieg des Dollar", sagte der Arbeitslose Fecri Calboga. Auch der 22-jährige Student Bilalcan Sagir sagte, er könne nicht verstehen, wie seine Tweets die Märkte beeinflusst haben könnten. (APA, 20.9.2019)