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Facebook hat bei seinen Untersuchungen nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica zehntausende Apps gesperrt. Sie stammten von rund 400 Entwicklern, wie das Online-Netzwerk am Freitag mitteilte.

Von der "New York Times" enthüllte Zahlen aus einem Gerichtsverfahren in Boston zeigen zugleich, dass Facebook diese Apps überwiegend vorsorglich sperrte, ohne klären zu können, ob sie tatsächlich Nutzerdaten missbraucht haben.

Entwickler wollten nicht kooperieren

Demnach wurden 69.000 Apps auf der Facebook-Plattform blockiert, davon der Großteil, weil ihre Entwickler bei der Untersuchung des Online-Netzwerks nicht kooperieren wollten. Bei rund 10.000 prüft Facebook, ob Regeln zum Umgang mit Daten der Nutzer verletzt wurden. Auch hier hat die Plattform allerdings keine Gewissheit: 6.000 Anwendungen gerieten in den Fokus, weil sie von vielen Nutzern installiert wurden. Bei 2.000 habe Facebook vertieft die Entwickler überprüft, und bei weiteren 2.000 schaute sich das Online-Netzwerk an, ob sie zu viele Nutzerinformationen abgefragt hätten.

Die Zahlen wurden im Zuge einer Untersuchung Facebooks durch die Staatsanwaltschaft des US-Staats Massachusetts bekannt. Ein Gericht lehnte den Antrag von Facebook ab, sie unter Verschluss zu halten. Die Staatsanwälte würden auch gern wissen, wer die betroffenen App-Entwickler sind, Facebook halte die Informationen nach Angaben der Behörde aber zurück, schrieb die "New York Times".

Druck

Im Fall Cambridge Analytica, der Facebook im Frühjahr 2018 massiv unter Druck brachte, waren Daten von Facebook-Nutzern vom Entwickler einer Umfrage-App vor über fünf Jahren widerrechtlich an eine Datenanalysefirma weitergegeben worden. Facebook wusste mindestens seit 2016 davon, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Die Untersuchung des Falls durch die US-Aufsichtsbehörde FTC führte zu einer Strafe von fünf Milliarden Dollar (4,53 Mrd. Euro) für Facebook. (APA, 21.9. 2019)