New York – Nach ihrer Rede vor Zehntausenden Menschen bei den Klimaprotesten in New York hat die Aktivistin Greta Thunberg am Samstag auch beim Jugendklimagipfel der Vereinten Nationen gesprochen. "Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann", sagte Thunberg. Nach Uno-Angaben wurden bei dem Treffen, das dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, mit etwa 700 Teilnehmern gerechnet.

Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten. Die entwickelten Maßnahmen sollen dann den Staats- und Regierungschefs unterbreitet werden.

Unterstützung von Antonio Guterres

Zu Gast bei der Eröffnung des "Youth Climate Summits" war auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres und zeigte sich vom Engagement der jugendlichen Aktivisten begeistert. Er werde immer wieder gewarnt, mit der Unterstützung der jungen Aktivisten vorsichtig umzugehen. "Ich bin aber gar nicht vorsichtig, ich ermutige euch, weiterzumachen.", sagte Guterres und appellierte außerdem an die Jugendlichen: "Bitte mobilisiert weiter" Seine Generation habe schon zu viel verpasst, meinte der 70-jährige Portugiese. Er habe selbst bereits Enkelkinder und würde sich wünschen, dass diese auf einer lebenswerten Erde aufwachsen könnten.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat an dem Jugendgipfel am Samstag in New York teil genommen. Das 75-jährige Staatsoberhaupt begleitet dabei die 17-jährige Salzburger Schülerin und "FridaysForFuture"-Aktivistin Anika Dafert. "Politiker sollten eigentlich auch Aktivisten sein, sie müssen endlich aktiv werden.", sagte Dafert im Gespräch mit der APA. Am Montag ist Österreich beim Klimagipfel durch Van der Bellen und Umweltministerin Maria Patek vertreten.

"Welle der Veränderung"

Thunberg hatte am Freitag in New York die weltweiten Klima-Demonstrationen als "Welle der Veränderung" gefeiert. "Wir sind nicht nur ein paar junge Leute, die die Schule schwänzen, oder ein paar Erwachsene, die nicht zur Arbeit gegangen sind – wir sind eine Welle der Veränderung. Zusammen sind wir nicht aufzuhalten", sagte die 16-Jährige am Freitag unter Jubel und Applaus der Zuhörer im Battery Park an der Südspitze Manhattans.

Thunberg sprach vor zentausenden Demonstranten in New York.
Foto: REUTERS/Lucas Jackson

"Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann habe ich sehr schlechte Nachrichten für Sie, denn das hier ist nur der Anfang. Es wird Veränderungen geben, ob Sie es mögen oder nicht."

Thunberg sprach bei der Demonstration in New York von einem "historischen Tag". "Das ist der größte Klimastreik der Geschichte, und wir sollten alle so stolz auf uns sein, denn wir haben das zusammen geschafft." Den Organisatoren zufolge waren rund 250.000 Menschen zu der Demonstration in New York gekommen, das Bürgermeisteramt der Stadt sprach von rund 60.000.

Viele der Demonstranten waren Teenager. Die rund 1,1 Millionen Schüler der US-Ostküstenmetropole hatten von ihren Schulen die Erlaubnis erhalten, für die Teilnahme an dem Protest dem Unterricht fernzubleiben. Bei der Demonstration trug die 16-Jährige dasselbe Schild mit der Aufschrift "Schulstreik für das Klima", das sie bei ihren Protestaktionen immer bei sich hat.

Greta Thunberg mit ihrem Schild "Schulstreik für das Klima".
Foto: REUTERS/Lucas Jackson

Weltweite Proteste

Rund um den Globus gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße. In Österreich beteiligten sich beim Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche "Week for Future" am Freitag rund 720 Gemeinden mit Aktionen.

In Paris gingen einem Bericht des Nachrichtensenders Franceinfo zufolge rund 10.000 Menschen auf die Straße, in der belgischen Hauptstadt Brüssel nach Angaben der Polizei etwa 15.000. In London waren es laut den Veranstaltern sogar 100.000 – Schätzungen der Polizei lagen zunächst nicht vor. In Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet.

Auch unter anderem in Johannesburg, in Delhi und in Athen gab es Demonstrationen. Allein in Australien folgten rund 300.000 Menschen dem Protestaufruf, wie die Veranstalter mitteilten.

Sogar in der meist von Terroranschlägen heimgesuchten afghanischen Hauptstadt Kabul gingen mehrere Dutzend Jugendliche für den Klimaschutz auf die Straße. Der kleine Demonstrationszug wurde von Soldaten mit Schnellfeuergewehren geschützt. In sozialen Medien wird die afghanische Regierung dazu aufgerufen, mehr gegen die Luftverschmutzung zu tun. "Wenn wir Terrorangriffe, Autobomben oder Schüsse aus dem Hinterhalt überleben, bringt uns diese Luftverschmutzung um", ist zu lesen. (APA, red, 21.9.2019)