Ein israelischer Landwirt inspiziert Trauben, die auf dem Wüstenweinberg Karmei Avdat geerntet wurden. Der Weinberg steht auf den Ruinen eines alten nabatäischen Weinbergs aus dem 5. Jahrhundert.

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Seit über einem Jahrzehnt warnen Weinbauer aus Mitteleuropa vor dem Klimawandel. Bald werde es in den traditionellen Weinbauregion zu warm sein, die Ernte muss immer früher stattfinden, und die Qualität des Weins leidet bereits darunter. In den vergangen Jahren klagten etwa italienische und französische Winzer über massive Produktionsrückgänge.

Wie die Weinbauern in Zukunft mit dem Klimawandel umgehen sollen und die Qualität ihres Weins schützen können, wird derzeit ausgerechnet in einem der unwirtlichsten Teile der Erde erforscht. In der israelischen Negev-Wüste untersucht Aaron Fait, Professor für Biochemie an der Ben-Gurion University of the Negev, wie Weinbau unter rauen Bedingungen funktioniert.

Neben dem experimentellen Weinberg von Aaron Fait sind in den vergangen 15 Jahren in der Negev-Wüste rund 20 neue Weinberge angelegt worden. Der Wissenschafter und sein Team untersuchen mit der Hilfe europäischer Weinexperten Innovationen in der Weinherstellung, die die Negev-Wüste bald zum Hotspot des Weintourismus machen könnten.

Antiker Weinbau

Der Weinbau und die Wüstenlandwirtschaft haben in der Negev eine jahrtausendealte Geschichten. Die Nabatäer, ein Verband arabischer Nomadenstämme, betrieben eine ausgeklügelte Art von Terrassenwirtschaft und produzierten vor über 2.500 Jahren Wein in dieser Gegend. Die modernen Weinbauern in der israelischen Wüste setzen auf präzise Bewässerungssysteme und Beschattung ihrer Weinstöcke, um regenarme Perioden zu überstehen. Gegen den salzigen Boden kämpfen die Wüstenwinzer mit einer Tröpfchenbewässerung, die das Salz von den Wurzeln der Weinstöcke wegspült. Die Abdeckung der Pflanzenwurzeln mit Kunststoff verhindert außerdem die Verdunstung des Wassers.

Die moderne Technik und die präzise Arbeit, mit denen die israelischen Winzer der Negev-Wüste den Wein abringen, sollen zum Vorbild für Weinbauern in anderen Anbaugebieten werden. Das Wissen und die Erfahrungen, die hier entstehen, werden in einer zukünftigen Welt mit häufigeren Dürren und Hitzewellen wertvoll werden. (os, 24.9.2019)