Die Veränderung des Klimas setzt der Forelle zu: Das Fortleben des auf kühle Gewässer spezialisierten Fisches ist keineswegs sicher.

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Würde man eine Umfrage in Österreich machen, die nach den bekanntesten Fischen fragt: Die Forelle würde wohl ganz oben stehen. Sie bevölkert Gebirgsbäche wie Donauwellen und findet sich auf Speisekarten von Dorfgasthäusern und Gourmettempeln. Doch die Veränderung des Klimas setzt auch der Forelle zu: Das Fortleben des auf kühle Gewässer spezialisierten Fisches ist keineswegs sicher. Im Gegenteil: Die Erderwärmung wird große Auswirkungen auch auf die Biodiversität in Fließgewässern haben. Das spürt auch Österreichs liebster Fisch.

Wärme geht an die Nieren

"Fließgewässer erwärmen sich im Alpenraum stärker als die Luft", erklärt Florian Borgwardt vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien (Boku). "Eine österreichweite Analyse zeigt einen Anstieg von durchschnittlich 1,5 Grad in den Jahren von 1980 bis 2010." Dass Gewässer heute häufig reguliert und Ufer verbaut werden, trägt zu diesem Trend bei: Der Kontakt zum Grundwasser wird unterbunden. Wo Uferwälder gerodet werden, schwindet Schatten: "Ein Vergleich zwischen der Lafnitz und der im Verhältnis dazu weniger naturnahen Pinka ergab Temperaturunterschiede von vier bis fünf Grad", veranschaulicht Borgwardt.

Mit Kollegen der Boku und der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat der Wissenschafter für den Klimafonds zuletzt eine Entwicklung erforscht, die gut zeigt, welche Auswirkung die erhöhten Temperaturen auf die Tiere haben: Ein Krankheitserreger, der bei Fischen die Nieren anschwellen lässt, hat es unter den neuen Bedingungen wesentlich leichter. An der Proliferative Kidney Disease (PKD) erkranken Spezies, die zu den Lachsfischen gehören – im Alpenraum also vor allem die Forelle. Die Studie wurde vergangene Woche beim "Symposium of the International Society for River Science" (ISRS) präsentiert, einer alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz, die heuer von Borgwardts Institut ausgerichtet wurde.

Der Krankheitserreger hat in der Schweiz bereits Forellenbestände dezimiert. In Österreich wurde er erstmals 2014 im Kamp nachgewiesen, was Anlass für die Forschungen von Borgwardt und seinen Kollegen war. Das Pathogen gedeiht in fadenartigen Aufwüchsen auf Steinen und Holz – Wirte, für deren Wachstum es selbst nicht zu kühl sein darf. Hier gedeihen die Sporen, die die Forellen über Kiemen und Haut aufnehmen.

Wie oft der Erreger vorkommt und wie häufig er bei infizierten Fischen ausbricht, hänge beides von der Temperatur ab, erklärt Borgwardt. "Im kühlen Wasser treten oft keine Symptome auf. Erst wenn es wärmer wird, schwellen die Nieren an. Kann das Tier nicht in kühlere Bereiche flüchten, um sich zu erholen, kann die Krankheit zum Tod führen." Besonders junge Fische, die nicht so leicht größere Strecken zurücklegen können, sind also gefährdet.

Gefahr steigt rapid

In ihren Modellrechnungen kombinieren die Forscher das Wissen um diese Krankheit mit den Klimaprognosen der IPCC. Das ernüchternde Ergebnis: Das Risiko, dass Österreichs Forellenbestände in Zukunft betroffen sein werden, verdoppelt sich bis 2050. Im Worst-Case-Klimaszenario würde es sich bis 2070 mehr als verdreifachen.

Zu den Bedrohungen, die Mensch und Klimawandel schon heute für die Spezies bedeuten, kommt die Krankheit also dazu. Schon eine frühere Untersuchung zeigte, dass eine Vielzahl von Habitaten in Europa durch die Erwärmung für Forellen nicht mehr bewohnbar sein wird. Im Einzugsgebiet der Elbe etwa wird sie nur noch in den Oberläufen zu finden sein. Borgwardt: "Die Verbreitungsstudie zeigt zwar, dass die Forelle im Alpenraum erhalten bleibt. PKD und andere Krankheiten sind dabei aber noch nicht berücksichtigt." Von den Speisekarten der Fischrestaurants werde eine unter Druck geratene Forelle vorerst aber nicht verschwinden, beruhigt der Gewässerforscher. Zu hohe Wassertemperaturen werden in den Fischzuchten mit Sauerstoffzugabe ausgeglichen. Hier macht eher noch das Niedrigwasser im Sommer Sorgen.

Belastet der Klimawandel die Ökosysteme in Zukunft zusätzlich, sollten die Menschen zumindest versuchen, den Druck in anderen Bereichen zu verringern. Ein Anfang wäre es, die "hydromorphologischen Eingriffe", wie Borgwardt die vielfältigen Verbauungen von Flüssen nennt, umzuwandeln oder wieder ganz rückgängig zu machen. Die Hälfte der 60.000 Wehrbauten sind für Fische beispielsweise noch unpassierbar. Klar ist: Nur weitreichende Renaturierungen würden den Tieren ihre Lebensräume zurückgebe (Alois Pumhösel, 25.9.2019)