Mehr als fünf Jahre nach Auffliegen des Korruptionsskandals muss Ericsson für illegale Geschäftsanbahnung und Bestechung zahlen.

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Stockholm – Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson muss zwölf Milliarden schwedische Kronen (1,1 Milliarden Euro) für ein Korruptionsverfahren in den USA zurückstellen. Man rechne mit einer Strafzahlung von rund einer Milliarde Dollar, um US-Untersuchungen wegen fehlerhafter Geschäftspraktiken in China und fünf weiteren Ländern beizulegen, teilte Ericsson am Donnerstag mit. Dazu kommen weitere Kosten. Die Rückstellung werde im dritten Quartal verbucht.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat seit 2013 das Zustandekommen einiger Aufträge von Ericsson in den 1990er-Jahren durchleuchtet, seit 2015 hat sich auch das US-Justizministerium mit einer eigenen Untersuchung damit beschäftigt. Ericsson hat nach eigenen Angaben die Behörden voll unterstützt. Das Unternehmen habe sich in der Vergangenheit falsch verhalten, sagte Konzernchef Börje Ekholm.

Millionen für Bestechung

Frühere Manager haben den Telekommunikationsausrüster schwer belastet. Der Konzern habe über Jahre Millionen an Bestechungsgeldern gezahlt. Von der Konzernzentrale in Schweden seien via Zürich "enorme Summen" an geheime Empfänger rund um den Globus "verschickt" worden. Vor der SEC ausgepackt hat laut früheren Berichten ein ehemaliger Ericsson-Manager, er habe der Börsenaufsicht Unterlagen zu mutmaßlichen Schmiergeldern übergeben.

Zahlungen seit 1998

Die Zahlungen sollen zwischen 1998 und 2001 geflossen sein. Eine der höchsten Summen belief sich laut der Zeitung "Dagens Nyheter" auf 1,4 Milliarden Kronen (143 Millionen Euro). Sie sei auf Bankkonten in Malaysia transferiert worden. Eine andere Zahlung sei über die britische Kanalinsel Jersey nach Polen überwiesen worden. Die Gelder sollen auch an Politiker und hohe Staatsbedienstete in Costa Rica erfolgt, um in dem mittelamerikanischen Land einen großen Staatsauftrag an Land zu ziehen.

"Mehreren frühere Topmanager" hätten zugegeben, "wie sie sich der aktiven Korruption schuldig gemacht haben, um Verträge in vielen Ländern zu bekommen". Bereits seit 2010 berichten schwedische Medien von Vorwürfen zu systematischer Bestechung durch Ericsson, die das Unternehmen stets zurückgewiesen hatte.

2016 hatte das Unternehmen eingeräumt, dass auch Ermittlungen in Griechenland und in den USA in Gang seien, wobei in den USA mutmaßliche Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen in China im Focus stehe, bei den Ermittlungen in Griechenland gehe es um Korruption. (dpa, AFP, ung, 26.9.2019)