Hongkong – Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam stellt sich am Donnerstag dem ersten öffentlichen Dialog, um die seit Monaten andauernden Proteste der Demokratiebewegung in den Griff zu bekommen. 150 Teilnehmern werden jeweils drei Minuten Redezeit eingeräumt, um ihre Ansichten darzulegen, teilten die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone mit.

Die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Veranstaltungsort wurden erhöht. Schulen und Geschäfte sollten im Vorfeld der Gesprächsrunde früher schließen.

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Auch am Mittwoch kam es zu Polizeieinsätzen gegen Demonstranten in der Sonderverwaltungszone.
Foto: REUTERS/Tyrone Siu

Es seien tiefe Wunden in die Gesellschaft gerissen worden, schrieb Lam in einem Beitrag für die "New York Times". Es brauche Zeit, um diese zu heilen. Aber ihre Regierung hoffe weiter, dass Dialog über Konflikt siegen würde, dass wieder Ruhe einkehre und dass Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft wieder aufgebaut werden könne. Die Forderung der Demonstranten alle bei Protesten Inhaftierten frei zu lassen könne sie jedoch nicht erfüllen, das dies dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit entgegenstehe. "Voerst allerdings, bin ich im Zuhörmodus für den ersten Bürgerdialog. Ohne Zweifel wird es harte Kritik geben. Aber ich hoffe auch auf konstruktive Vorschläge wie die Regierung die Erwartungen der Bevölkerung erfüllen kann um Hongkong inklusiver und fairer zu machen.", schrieb Lam in der NYT.

Bürger zeigen sich skeptisch

Hongkonger Bürger zeigten sich skeptisch und mit der Kritik die Carrie Lam bereits erwartet hatte, ließ es nicht lange auf sich warten. Vor dem Queen Elizabeth Stadion in dem der Bürgerdialog stattfindet versammelten sich am Donnerstag Demonstranten. "Sie haben nicht gehört, als 200.000 auf die Straße gegangen sind. Warum sollten sie auf nur 150 hören?", fragte die 62-jährige Poon Yau-lok.

Hongkong ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone, in der seit Monaten gegen einen stärkeren Einfluss der Führung in Peking demonstriert wird. Teilweise schlugen die Proteste in Gewalt um. Viele Menschen in der ehemaligen britischen Kronkolonie fürchten, dass sie politische Freiheiten verlieren. Lam wird zudem eine zu große Nähe zur Führung in Peking vorgeworfen. (red, APA, 26.9.2019)