Es wird enger.

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Rom/Wien – Eine Ankündigung mit wohl weitreichenden Konsequenzen hat der Internationale Eishockey-Verband (IIHF) im Zuge seines Kongresses in Rom gemacht: Bei den A-Weltmeisterschaften 2022 in Finnland, 2023 in Russland und 2024 in Tschechien werden die Spielfelder verkleinert und an die Größe der nordamerikanischen Profiliga NHL angepasst.

In Europa ist die Eisfläche durchgehend 60 x 30 Meter, in der National Hockey League 60 x 26 m. Der Österreichische Eishockey-Verband (ÖEHV) war beim Kongress vor Ort, die Ankündigung selbst war laut dem ebenfalls anwesenden Manager der Erste Bank Eishockey-Liga (EBEL), Christian Feichtinger, aber nur eine Fußnote.

"Im Regelbuch stehen diese Abmessungen seit Jahren drinnen. Das ist keine neue Regel. Es gibt eine Minimum- und Maximum-Breite und -Länge", erklärte Feichtinger am Freitag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. "Worum es jetzt geht, spielt sich innerhalb der schon lange bestehenden Regeln ab. Das Einzige, was beschlossen wurde, ist, dass eine Anzahl von Weltmeisterschaften auf kleinem Eis gespielt wird."

Schmalere Eis könnte sich durchsetzen

Zwar ist jedem Veranstalter einer WM selbst überlassen, welche Eisbreite er wählt, doch wohl auch im Hinblick auf eine größere Attraktivität für NHL-Stars könnte sich auf lange Sicht das schmalere Eis durchsetzen. Und die IIHF entscheidet ja bei den Bewerbungen über die Vergabe.

ÖEHV-Teamchef Roger Bader ist nicht sonderlich begeistert von dieser Entwicklung. "Man soll eigentlich die Weltmeisterschaften so spielen, wie es die meisten Mitgliedsländer spielen. Wenn es in Europa ist, sollte man schon auf dem großen Eis bleiben", meinte Bader. Natürlich wird damit wohl eine Austragung einer A-WM in Übersee (zuletzt 2008 in Kanada) wieder wahrscheinlicher. Zuletzt waren nur U20-Weltmeisterschaften oder die Welt-Titelkämpfe der Frauen in Nordamerika und auf kleinerer Eisfläche ausgetragen worden.

Was dies für die jeweiligen nationalen Ligen bedeutet, ist vorerst offen. Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Gernot Tripckem rechnete gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa bei einer endgültigen Anpassung damit, dass auch seine Liga in einer Übergangsphase von zehn bis 15 Jahren angepasst werde. Selbstredend, dass dies zu hohen Kosten für Umbauten führen würde.

Infrastruktureller "Fleckerlteppich"?

Ebenso könnte es zu einer Art infrastrukturellem "Fleckerlteppich" führen. Für EBEL-Manager Feichtinger ist die Problematik groß. "Dieses Thema wurde bereits heuer beim WM-Kongress angesprochen. Wir haben uns mit einem offiziellen Schreiben an den Weltverband gewandt, wo wir beschrieben haben, was das für Auswirkungen auf das europäische Eishockey hat, und welche Probleme es mit sich bringt", erklärte Feichtinger. Es habe sich um einen gemeinsamen Brief der Ligavereinigung "Hockey Europe" und der "European Hockey Alliance" an den Weltverbandspräsidenten Rene Fasel gehandelt.

"Wir vom professionellen Eishockey in Europa sagen: nicht gut. Wir spielen in Europa auf großen Eisflächen. Das Eishockey in der NHL ist nicht deswegen besser, weil sie eine kleine Eisfläche haben, sondern weil das der größte Markt und das attraktivste Produkt in Amerika ist", präzisierte Feichtinger. Etwa 25 Prozent der Spieler bei einer A-WM spielen normalerweise auf den kleineren Eisflächen.

Die Tatsache, dass dies nur für Weltmeisterschaften gilt, beruhigt den Funktionär gar nicht. Feichtinger: "Es wird natürlich dazu führen, dass die Nationalteam-Coaches – und da verstehe ich sie vollkommen – sagen werden, wir müssen auch auf kleinem Eis spielen."

Umfangreiche Umbauten, große Investitionen und eine unübersichtliche Infrastruktur könnten die Folge sein. "Es reicht ja nicht nur, wenn man die Bande auf jeder Seite um zwei Meter schmäler macht, sondern du hast auch keine Sichtlinien mehr, die zusammenpassen. Das wären zig Millionen Investitionen, das alles anzupassen", meinte Feichtinger. Er schließt auch nicht aus, dass in ein- und derselben Liga künftig auf unterschiedlichen Eisflächen gespielt werden könnte. "Diese Entscheidung bringt viele Probleme für das europäische Profi-Eishockey, die Clubs und die Infrastrukturen mit sich." (APA; 27.9.2019)