Nationalbank-Chef Robert Holzmann soll ohne Absprache leitende Angestellte entlassen haben.

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Wien – Für einen Knalleffeffekt und größte Aufregung sorgten am Freitagnachmittag der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, und sein Direktoriumskollege, Eduard Schock (beide FPÖ). Sie haben die Personalchefin des Hauses, Susanna Konrad-El Ghazi, gekündigt und mit sofortiger Wirkung suspendiert. Sie musste unter Aufsicht des Sicherheitsdienstes ihr Zimmer räumen und wurde daraufhin aus der Bank geschickt. Auch ein Rechtsanwalt war laut Notenbankern eingebunden. Der ebenfalls im Hause anwesende Vizegouverneur, Gottfried Haber (ÖVP), wurde nicht eingebunden, ebenso wenig der vierte OeNB-Direktor, Thomas Steiner. Auch der Generalrat, der unter der Leitung von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) steht, und die Rechtsabteilung seien nicht eingebunden worden, heißt es in der OeNB.

Anlass der Aufsehen erregenden Trennung soll eine Entscheidung der Personalchefin gewesen sein, in der es um die Dauerkarenzierung eines in der europäischen Bankenaufsicht (SSM) tätigen Notenbankers gegangen ist. Dem Vernehmen nach wird der Managerin vorgeworfen, die Entscheidung ohne Direktoriumsbeschluss getroffen zu haben. Die Art der Karenzierung hat Auswirkungen auf eine Zahlung, die in der Nationalbank beim Pensionsantritt fällig wird.


Büro versiegelt

Der Betriebsrat wurde informiert, das Büro von Konrad-El Ghazi versiegelt, es darf dann erst wieder von einer Kommission geöffnet werden – so sehen es die Vorschriften in der OeNB vor. Die Personalchefin ist die Tochter des langjährigen Raiffeisen-Generalanwalts, Christian Konrad.

Auch der Chef der Hauptabteilung Zahlungsverkehr, Interne Dienste und Beteiligungen, Stefan Augustin (62), soll abmontiert werden. Ihm wurde am Freitag nahegelegt, bis zum Montag um seine Pensionierung anzusuchen, andernfalls werde er gekündigt. Angeblich habe er Anweisungen des Direktoriums nicht umgesetzt.

Pressesprecher nach Innsbruck

Und der bisherige Pressesprecher Christian Gutlederer soll vor eine schwierige Wahl gestellt worden sein: Entweder er geht als Stellvertretender Filialleiter nach Innsbruck (dort gibt es noch eine OeNB-Zweiganstalt), oder sein Schicksal in der Bank ist ungewiss.

Aus der OeNB gibt es zu alledem keinen Kommentar. Man werde am Montag eine Stellungnahme abgeben, so der neue Sprecher des Hauses, Rudolf Kaschnitz, am Samstag zum STANDARD. Das Nachrichtenmagazin "Profil", das am Freitagabend ebenfalls von den Rauswürfen berichtete, zitierte den früheren Gouverneur, Ewald Nowotny. Er bestätigte die Kündigung Konrads und die Pläne der neuen Notenbankführung für Augustin und Gutlederer. Er habe auch den OeNB-Präsidenten Mahrer davon verständigt. Er soll sich nun angeblich bemühen, dass die Entscheidung von Holzmann und Schock (er ist übrigens selbst dauerkarenziert, und zwar von der Bank Austria) rückgängig gemacht wird.

Sonderverträge für Chef-Mitarbeiter

Hinter vorgehaltener Hand wird in der OeNB erzählt, Konrad-El Ghazi habe sich bei der Umsetzung von Verträgen für neue Mitarbeiter der neuen Chefs nicht kooperativ gezeigt und es sich so mit den Direktoren verscherzt. Der neue Berater Holzmanns, der aus dem Finanzministerium kommt und die neue Bürochefin des Gouverneurs, die zuletzt unter anderem im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) tätig war, sollen dem Vernehmen nach Sonderverträge bekommen.

Die Personalchefin habe aber dagegen opponiert, den beiden Spezialkonditionen zuzugestehen; es geht da zum Beispiel um die Anrechnung von Vordienstzeiten des 57-Jährigen Holzmann-Beraters. Seinen ab November laufenden Vertrag soll das Direktorium in der Sitzung am 15. Oktober absegnen. Auch Schock will übrigens dem Vernehmen nach zwei Spezialmitarbeiter ins Haus holen, einen für rechtliche Beratung und einen für Beratung bei einem Zahlungsverkehr-Projekt.

Neuer Betriebsrat

Nun ist der Betriebsrat gefordert, er muss Stellungnahmen abgeben. Auch da gibt es allerdings einen Wechsel: Der langjährige Chef des Zentralbetriebsrats, Robert Kocmich, hat am Montag seinen letzten Arbeitstag, er geht in Pension. Ihm folgt Birgit Sauerzopf. Die Notenbank hat zuletzt einige Arbeitsrechtsverfahren vor Gericht verloren. Etwa jenes zum Rauswurf des früheren Vizegouverneurs, Wolfgang Duchatczek, in Zusammenhang mit der Affäre in der Gelddruckerei oder das eines aufmüpfigen Revisors, der gegangen wurde – beide Fälle sind die Bank letztendlich sehr teuer gekommen.

Die Personalentscheidungen hatten sich am Freitag in Windeseile herumgesprochen, das Thema schlägt hohe Wellen. In der Belegschaft ist vom "großen Aufräumen" die Rede. Das überrasche umso mehr, heißt es, als Holzmann erst dieser Tage in einer Sitzung gemeint habe, er werde einen offenen, kooperativen Führungsstil pflegen.

Interessant könnte die Stimmung bei der offiziellen Feier zur Amtsübergabe in der OeNB werden. Sie findet am kommenden Dienstagabend im Palais Ferstel statt. (Renate Graber, 27.9.2019)