215 Flüchtlinge werden nach einem Brandunglück von der Insel Moria aufs Festland verlegt.

Foto: Reuters / ALKIS KONSTANTINIDIS

Athen – Zwei Tage nach dem Tod einer Frau und ihres Kindes bei einem Brand im Registrierungslager von Moria auf der Insel Lesbos hat die griechische Regierung 215 Flüchtlinge aufs Festland bringen lassen. In den nächsten Tagen sollen hunderte weitere von Lesbos und anderen Lagern der Inseln Samos, Chios, Leros und Kos in die auf dem Festland gelegene Hafenstadt Piräus gebracht werden. In und um das Lager von Moria, wo es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen war, herrschte am Dienstag Ruhe, wie griechische Medien übereinstimmend berichteten.

Lager heillos überfüllt

Auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit knapp 30.000 Migranten aus, bei einer eigentlichen Aufnahmekapazität von 7.000 Menschen. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspakts im März 2016. Im April war die Zahl der auf den Inseln lebenden Migranten auf 14.000 zurückgegangen, in den Sommermonaten aber wieder angestiegen. Im Flüchtlingslager Moria waren zuletzt statt 3.000 Personen mehr als 13.000 untergebracht. Anfang September war der damalige Leiter des Lagers in Moria, Giannis Balbakakis, mit den Worten zurückgetreten, er habe "unter schwierigen Umständen getan, was getan werden musste", und sei nun "müde".

Am Sonntag kam es aus bisher ungeklärter Ursache zu einem Brand von mehreren Unterkünften. Dass es nach einer Meldung an die lokale Feuerwehr 20 Minuten bis zu deren Eintreffen gedauert haben soll, hat im Lager zu Ausschreitungen geführt. "Tausende Migranten müssen so schnell wie möglich aufs Festland. So kann es nicht weitergehen", sagte der Bürgermeister der Inselhauptstadt Mytilini, Stratos Kytelis, nach dem Unglück im griechischen Fernsehen.

Der Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Flüchtlinge und Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auf den griechischen Inseln nur mühsam voran. (APA, red, 1.10.2019)