Elektroautos wie der E-Golf sind zwar die Zukunft, kosten aber tausende Jobs in der Herstellung.

Foto: Reuters

Der Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität dürfte allein in Deutschland bis 2030 an die 125.000 Arbeitsplätze in der Automobilbranche kosten, hat das Car-Automotive-Institut der Uni Duisburg-Essen in einer noch unveröffentlichten Studie hochgerechnet.

Die Berechnung fußt auf der Annahme, dass für die Produktion von E-Auto-Antrieben nur mehr 15 Prozent der heute eingesetzten Mannschaften nötig sein werden. Hochwertige Jobs würden auch in der Entwicklung von Antriebssystemen wegfallen, allerdings nicht so dramatisch wie in der Produktion. In der Entwicklung von Antriebssystemen werden auch im E-Zeitalter ab 2030 knapp zwei Drittel der Mannschaftsstärke von heute gebraucht, heißt es in einer Rohzusammenfassung der Studie, die dem STANDARD vorliegt.

Günstig in Wartung

Der Hintergrund: Elektroautos brauchen zwar teure Batterien, Schaltgetriebe und andere Bestandteile von Verbrennungsmotoren werden aber nicht mehr benötigt. Auch deshalb gelten Elektroautos im Betrieb als wartungsfreundlicher und billiger, wodurch sich der höhere Kaufpreis rascher amortisiert.

Der Rückgang der Beschäftigtenzahlen wird mit 233.450 sogar noch höher ausfallen, allerdings entstehen durch E-Mobilität sowohl in der Produktion neue Jobs (knapp 22.000) als auch in der Entwicklung (87.000), in Summe an die 109.000 Arbeitsplätze. Im Saldo sind also 125.000 Jobs akut gefährdet, um sie werden die aktuell 834.000 Beschäftigten in der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie dezimiert. Das wird auch im Autozulieferland Österreich nicht unbemerkt bleiben,

Verzögernde Maßnahmen

Befeuert werde der Jobverlust just vom Klimapaket der Regierung, attestiert "Auto-Professor" und Car-Chef Ferdinand Dudenhöffer. Das vor einer Woche beschlossene Klimakonzept beginnt mit einem Festpreis auf den CO2-Ausstoß, der von zehn Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2021 auf 35 Euro bis 2025 steigt. Benzin oder Diesel werden so um bis zu zwölf Cent teurer. Maßnahmen wie diese zögerten das Auslaufen der Verbrennungsmotoren unnötig hinaus. "Das langsame Umsteuern schadet letztlich der deutschen Autoindustrie", warnt Dudenhöffer, profitieren würden Zulieferer in Korea und China. "In Summe kostet das müde Klimaprogramm gut 30.000 der 125.000 verlorenen Arbeitsplätze."

Dudenhöffer mahnt mehr Tempo ein, die Politik solle eine CO2-Bepreisung und höhere Spritpreise nicht fürchten. Im Gegenzug müssten bestehende Kfz-Besitzer entlastet werden, etwa mit einer Gutschrift für 100.000 Freikilometer pro Jahr und Pkw. Neukunden mit E-Autos sollten diese Gutschrift nicht bekommen, denn sie wären vom höheren Spritpreis ja nicht belastet. Und: Ältere Kfz sollten die Freikilometer nur für ein bis drei Jahre bekommen, neue Autos (bis drei Jahre) entsprechend länger. "Das bringt Drive bei der notwendigen Erneuerung des Kfz-Bestandes in Deutschland", den Dudenhöffer mit 47 Millionen angibt. Davon seien rund 95 Prozent Privat-Kfz, nur fünf bis acht Prozent Gewerbe.

Weit mehr als ein Jobkiller sind auch die von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochenen Handelsstreitigkeiten mit China und Europa. Den Schaden für die weltweite Autoindustrie taxieren die Car-Experten allein für die Jahre 2018 bis 2024 mit 700 Milliarden Euro und 35 Millionen Pkws, die nicht verkauft werden. Gut 80 Prozent (oder 29 Millionen Kfz) der Verluste fallen in China an, dem Schlüsselmarkt der deutschen Autoindustrie. Die Car-Experten bezeichnen ihre Berechnung als "äußerst konservativ", man habe als Wachstumsrate lediglich 0,5 Prozent zugrunde gelegt, obwohl der weltweite Autoabsatz von 2010 bis 2017 um 4,5 Prozent zunahm. Den weltweiten Durchschnittspreis pro Neuwagen nahm man mit 20.000 Euro an, obwohl 2018 der Durchschnittspreis allein bei VW-Modellen bei 22.770 Euro lag. (Luise Ungerböck, 2.10.2019)