Pasadena – Die Mars-Sonde InSight legt ihr Akronym nicht allzu wörtlich aus, sie ist für Lauschangriffe gerüstet. Der im November 2018 auf dem Mars abgesetzte NASA-Lander (volle Bezeichnung: "Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport") verfügt über das notwendige Instrumentarium, um die Geräusche des Marsinneren aufzufangen. Ein paar selbstproduzierte "Dinks and Donks" gibt's als Draufgabe.

Zur Einstimmung gib es ein wenig Musik, dann "spricht" der Mars selbst.
NASA Jet Propulsion Laboratory

Im April war es erstmals soweit, das Gerät SEIS ("Seismic Experiment for Interior Structure") fing die ersten Erschütterungen auf, die das Forschungsteam als Marsbeben interpretierte. Mittlerweile hat das Gerät über 100 Ereignisse aufgezeichnet, 21 davon sind sehr wahrscheinlich weitere Beben.

Nun veröffentlichte die NASA zwei Tonspuren von Marsbeben, die SEIS am 22. Mai und am 25. Juli aufgefangen hat. Um die Töne für das menschliche Ohr über Kopfhörer hörbar zu machen, musste allerdings die Tonspur beschleunigt und etwas bearbeitet werden, wie das Jet Propulsion Lab der NASA in Pasadena berichtet. Zu hören ist ein sehr tiefes Brummen, durchbrochen von gelegentlichem Knacken.

Von einer kleinen Kuppel geschützt, hat sich das SEIS-Instrument an die Arbeit gemacht. Am Horizont wabern die Staubwolken des Mars.
Foto: AP/Nasa/JPL-Caltech

Die Wellenform der Beben lasse darauf schließen, dass der Charakter der Marskruste zwischen der von Erd- und Mondkruste liege. Auf der Erde schließen sich Risse in der Kruste mit der Zeit, indem Wasser Mineralien einträgt und ablagert. Die seismischen Wellen können somit ungehindert durch alte Risse laufen. In trockeneren Krusten wie der des Mondes hingegen bleiben durch Beben und Meteoriteneinschläge entstandene Brüche erhalten.

Das Resultat: Auf dem Mond werden die Wellen werden gestreut und wandern deshalb über lange Zeiträume, teils mehrere Dutzend Minuten. Auf der Erde kommen und gehen Beben innerhalb von Sekunden. Der Mars liegt da mit einer Dauer im Minutenbereich irgendwo dazwischen, wenn auch etwas näher an den Verhältnissen auf dem Mond.

Empfindliches "Ohr"

Weil das Seismometer extrem sensitiv ist, registriert es aber auch andere Geräusche. Gerade dieses Hintergrundrauschen mache die Anwesenheit von InSight auf dem Roten Planeten für die beteiligten Forschenden noch realer, schrieb die NASA. Beispielsweise verursache der Roboterarm der Sonde bei jeder Bewegung ein Geräusch, auch Windstöße sind zu hören, obwohl das Seismometer unter einer Schutzhaube auf der Marsoberfläche sitzt.

In den Abendstunden höre man auch, was das SEIS-Team "Dinks and Donks" getauft habe: Beim Abkühlen in den Abendstunden verziehen sich Bestandteile des Seismometers gegeneinander und machen Geräusche, ähnlich einem abkühlenden Motor nach dem Ausschalten. Auch von diesen "Dinks and Donks" veröffentlichte die NASA ein Hörbeispiel. (red, APA, 3. 10. 2019)