Wework betreibt weltweit schon in rund 130 Städten Shared Offices, auch Wien soll demnächst dabei sein.

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Gründer Neumann hat vor dem Börsengang einen Abgang gemacht.

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Der internationale Shared-Office-Anbieter Wework sucht schon länger nach einem Standort in Wien. Zumindest einen, eventuell auch mehrere, darauf ließen Gespräche des STANDARD mit Wiener Gewerbemaklern vor einigen Tagen schließen. Offiziell ist dazu kaum etwas zu erfahren, inoffiziell nur so viel, dass Wework mittlerweile nur noch wenige Objekte in der engeren Auswahl hat.

Von Wework wird dazu auf Anfrage rein gar nichts mitgeteilt. Man dürfe nichts sagen, so eine Sprecherin vor wenigen Tagen, denn man befinde sich in einer sogenannten Quiet Period, die mit dem beabsichtigten Börsengang in New York (Initial Public Offering, IPO) zu tun hatte.

Börsegang verschoben

Der Börsegang hatte sich in den vergangenen Wochen aber zur Hängepartie entwickelt und wurde schließlich vor wenigen Tagen vorerst komplett abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben. Ursprünglich war er zwar ohnehin erst für Jahresende geplant, dann machten Führungskräfte aber offenbar Druck, weil sie eine Verschlechterung des Börsenklimas fürchteten.

Man peilte September an. Zu verlockend erschien auch die letzte Bewertung des einstigen Start-ups: Nach der jüngsten Finanzierungsrunde, in der sich der japanische Medienkonzern Softbank maßgeblich an Wework beteiligt hatte, wurde das Unternehmen im Jänner mit rund 47 Milliarden Dollar bewertet. Dies, obwohl zu Jahresbeginn der Verlust auf 1,9 Milliarden mehr als verdoppelt wurde und Wework auch in keinem einzigen Quartal bisher Gewinn erzielte.

Umstrittenes Geschäftsmodell

Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells von Wework, das darin besteht, Büroobjekte großflächig und mit langen Laufzeiten anzumieten und als Klein- oder Kleinstbüros zu weitaus kürzeren Laufzeiten weiterzuvermieten, gibt es aber schon länger. Als dann auch noch Berichte auftauchten, dass Gründer und CEO Adam Neumann als Privatperson mit Wework fragwürdige Geschäfte machte, verstimmte das insbesondere den japanischen Großaktionär erheblich.

Mitte September akzeptierte man eine Bewertung von "nur noch" zehn Milliarden Dollar. Zudem wurden Neumanns Stimmrechte beschränkt, und er werde sämtliche Gewinne aus Immobiliengeschäften mit Wework an den Konzern ausschütten, teilte man mit.

Neumann nicht mehr CEO

Kurze Zeit später der Knalleffekt: Neumann legte seine Funktion des CEO zurück. Vorsitzender des Verwaltungsrats dürfte er allerdings bleiben. Die Absage des Börsegangs bringt WeWork nun aber unter Druck. Man will nun Arbeitsplätze streichen und die Expansion verlangsamen.

Was das nun für den möglichen Standort in Wien bedeutet, ist fraglich. In Wien suchte Wework jedenfalls so wie an fast allen bisherigen Standorten (weltweit bereits mehr als 800 in 126 Städten) mindestens 5000 Quadratmeter in neuen oder zumindest gut adaptierbaren Räumlichkeiten. Weitere Suchkriterien: gut erreichbar, in der Innenstadt oder an einem etablierten Bürocluster und möglichst bald beziehbar. Die Rede ist vom ersten Halbjahr 2020.

Standort Austria Campus?

Wer sich die Liste der infrage kommenden Wiener Bürogebäude ansieht, merkt schnell: Allzu viele Optionen gibt es da nicht. Auf den Austria Campus der Signa Holding beim Praterstern trifft das alles aber jedenfalls zu. Die gewünschte Fläche ist dort noch zu haben, es gibt noch keinen Anbieter servicierter Büros an dem Standort – und er ist vor allem schon fertig, Wework könnte sofort einziehen.

Spruchreif ist da aber noch rein gar nichts, hieß es von Signa vor wenigen Tagen gegenüber dem STANDARD. Dass es schon Gespräche gab, wird aber nicht bestritten und ist auch naheliegend: Signa ist in Berlin Vermieter von Wework, nämlich beim Büroturm Upper West. Dort befindet sich auch das Berliner Büro der Signa.

Nun wartet alles gespannt darauf, wie es weitergeht. Zur Expo Real in München war Wework mit fast zwei Dutzend Mitarbeitern angekündigt, man wird sehen, wieviele davon sich tatsächlich am Stand in Halle A3 einfinden werden. Und was es dort auf der Messe letztendlich zu sehen geben wird. (Martin Putschögl, 3.10.2019)