STANDARD: Sie haben für Ihr Buch "Mut zum Rollentausch" 30 Vorständinnen, Vorstandsvorsitzende und hohe Managerinnen interviewt. An welchem Punkt haben sie die gläserne Decke zu spüren bekommen?

Florian: Was erstaunlich ist: Sie haben die gläserne Decke erst bei anderen Frauen so richtig mitbekommen. Brigitte Ederer zum Beispiel wollte eine Stelle mit einer Technikerin besetzen und hat dann erst gemerkt, welche Widerstände es da gibt. Obwohl die Frau besser qualifiziert war als der Mann, der sich auch gemeldet hatte.

Für ihr Buch "Mut zum Rollentausch" hat Verena Florian Top-Managerinnen befragt und Männer, die sich zu Hause um Kinder und Haushalt kümmern.
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STANDARD: Wie stehen Ihre Interviewpartnerinnen zur Quote?

Florian: Ich möchte da Maria Rauch-Kallat zitieren, die das sehr schön ausgedrückt hat: Die Quote ist nicht sehr elegant, aber sie wirkt. Meine Interviewpartnerinnen halten die Quote alle nicht für das optimale Instrument – aber sehen sie als Mittel zum Zweck und als notwendig. Wenn ich Frauenministerin wäre, würde ich dafür sorgen, dass sie gesetzlich verankert wird, und zwar nicht nur für Aufsichtsrätinnen. Denn es braucht mehr Frauen im operativen Geschäft.

STANDARD: Was zeichnet die Frauen, die Sie befragt haben, charakterlich aus?

Florian: Sie sind diszipliniert und ausdauernd. Sie haben ein gutes Selbstwertgefühl aufgebaut. Und sie haben Partner, die sie unterstützen.

STANDARD: Die Wahl des Partners ist für Frauen nachweislich wichtig, um Karriere zu machen.

Florian: Und wie! Die wichtigste Wahl der Frau ist die Wahl des Mannes. Es kommt nun glücklicherweise eine neue Generation von Männern, die kein Problem damit haben, dass die Frau den besseren Job hat und mehr Geld verdient.

STANDARD: Sie haben für Ihr Buch auch ebensolche befragt. Wer sind diese Männer?

Florian: Was sie ausmacht, ist, dass sie sich nicht nur über ihren Status definieren. Einer meiner Interviewpartner hat es so ausgedrückt: Wenn ein Mann ein Problem damit hat, dass er zu Hause bei den Kindern ist, hat er ein Problem mit seinem Ego. Das bringt es auf den Punkt.

STANDARD: Dennoch geht in Österreich aktuell nur jeder fünfte Vater in Karenz. Welche Rolle spielt der Unwille der Arbeitgeber?

Florian: Eine ganz große. Das Problem ist, dass viele Chefs den Männern ganz deutlich sagen, dass sie keine Karrierechancen mehr haben, wenn sie in Karenz gehen.

Erfolgreiche Frauen haben Partner, die sie unterstützen, sagt Buchautorin Florian.
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STANDARD: Ebenfalls wichtig für die Entscheidung, wer zu Hause bleibt, ist meist auch das gute Geld.

Florian: Derzeit können sich die Väterkarenz nur Besserverdienende leisten, weil sie die Monate, in denen es weniger Geld gibt, überbrücken können. Ein großes Hindernis ist auch das konservative Rollenverständnis in Österreich: Einige erfolgreiche Frauen hätten gern Kinder gehabt, wenn der Mann mitgemacht hätte und temporär mit dem Kind zu Hause geblieben wäre.

STANDARD: Es gibt Länder, in denen das Prinzip gilt: Nur wenn beide eine bestimmte Zeit in Karenz gehen, wird das ganze Geld ausbezahlt. Sinnvoll oder nicht?

Florian: "Choose it or lose" heißt das Prinzip und gilt in Island. Wenn der Mann nicht mindestens sechs Monate in Karenz geht, verlieren Eltern den Anspruch. Einen besseren Anreiz gibt es wohl nicht.

STANDARD: Was halten Sie vom Papamonat?

Dieser Text ist im Magazin Der Standard Karriere am 10.10.2019 erschienen. Erhältlich ist das Magazin hier.

Florian: Das ist ein guter Beginn, aber erst wenn Männer länger zu Hause sind und den Haushalt schupfen, kann das wirklich etwas zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Studien und auch meine Interviews zeigen, dass dann auch nachhaltig die unbezahlte Arbeit im Haushalt fairer aufgeteilt ist. (Interview: Lisa Breit, 15.11.2019)