Wer im Silicon Valley arbeitet, verdient pro Jahr im Durchschnitt 100.000 Euro, das hat eine Studie der Universität Berkeley ergeben.

Foto: APA/AFP/JOSH EDELSON

Rund 894 Millionen Euro will Google zur Eindämmung der Wohnungskrise in der Bay Area beitragen und damit ein "guter Nachbar" sein. Kritiker halten die Pläne für unrealistisch.

Foto: getty

Es sind Preise, die man sich als Durchschnittsverdiener in Österreich kaum vorstellen kann: In der San Francisco Bay Area kostet eine Einzimmerwohnung im Schnitt 3500 US-Dollar (3200 Euro) pro Monat. Und wer ein mittelgroßes Einfamilienhaus kaufen will, muss mit einem Preis von 1,4 Millionen US-Dollar (1,3 Millionen Euro) rechnen.

Einen Großteil der Schuld an den exorbitanten Preisen tragen Technologiekonzerne wie Google, Apple und Facebook, die sich im Silicon Valley im Süden der Bay Area angesiedelt haben. Sie nehmen Land in Besitz, das für Wohnbau verloren geht. Zudem zahlen sie ihren Angestellten hohe Löhne. Wer dort arbeitet, verdient laut Studie der Uni Berkeley jährlich im Schnitt 100.000 Euro.

Der Zusammenhang ist gut belegt. So zeigt die Statistik etwa, dass schon zwölf Monate nach dem Börsengang von Google im Jahr 2004 die Immobilienpreise in San Francisco um 23 Prozent gestiegen waren. Die konkreten Folgen der Gentrifizierung: Spekulanten verwandeln ganze Straßenzüge in Luxuswohnungen, langjährigen Mietern wird gekündigt, sie können sich das Wohnen nicht mehr leisten.

Verantwortung übernehmen

Immerhin, nach zahlreichen Protesten in der Region und Druck von allen Seiten scheinen die Tech-Konzerne Verantwortung zu übernehmen. Anfang des Jahres kündigte Facebook-CEO Mark Zuckerberg an, seine gemeinnützige Stiftung, die Chan Zuckerberg Initiative, werde mit lokalen Unternehmen und Organisationen zusammenarbeiten, um mehr als 500 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Immobilienkrise zu sammeln.

Auch Microsoft will 500 Millionen Dollar investieren, um in Seattle, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, Häuser erschwinglicher zu machen. Ebenso wie Amazon, das ebenfalls Wiedergutmachung leisten will. Acht Millionen wurden zugesagt, um Obdachlosigkeit zu bekämpfen und preiswerte Wohnungen rund um zwei Unternehmensstandorte in Seattle und Arlington in Virginia zu bauen.

Im Juni dieses Jahres ist schlussendlich auch Google eingeknickt. Das Unternehmen hat angekündigt, eine Milliarde US-Dollar (894 Millionen Euro) zur Eindämmung der Wohnungskrise rund um San Francisco beizutragen. Man wolle "ein guter Nachbar" sein, sagte Firmenchef Sundar Pichai.

Mieten niedrig halten

Google versprach einen Investmentfonds in der Höhe von 250 Millionen Dollar, der Anreize für Immobilienentwickler schaffen soll, leistbare Wohnungen zu bauen. Außerdem sollen bereits bewohnte Häuser aufgekauft werden, um die Mietpreise darin niedrig zu halten.

Google will zudem eigenen Immobilienbesitz im Wert von 750 Millionen Dollar, anstatt ihn als Büros oder Gewerbe zu nutzen, in insgesamt 15.000 neue Wohnungen für alle Einkommensklassen umwandeln. Wie im Sommer bekannt wurde, sollen die Wohnungen gemeinsam mit dem australischen Immobilienentwickler Lend Lease gebaut werden. In den nächsten zehn bis 15 Jahren wollen die zwei Unternehmen zusammenarbeiten, 2021 soll es losgehen. Google sei laut eigenen Angaben zudem dabei, neue Modelle rund um günstigen Bau und Finanzierung zu suchen.

Diese scheint es auch zu brauchen. Denn Kritiker glauben nicht, dass Googles Plan mit dem veranschlagten Budget umsetzbar ist. Der Bau einer neuen Wohnung in der Bay Area koste inklusive Grundstück und Steuern rund 700.000 US-Dollar, erklärte Cynthia Parker, Vorsitzende von Bridge Housing, einem großen gemeinnützigen Bauträger in der Region, dem San Francisco Chronicle. 20.000 Wohnungen würden demnach 14 Milliarden statt nur eine Milliarde US-Dollar kosten. Auch für die hohen Baukosten, so die Kritiker, sei der Bauboom verantwortlich, den die Technologieriesen losgetreten hätten.

Land pachten

Zudem könne es oft Jahre dauern, für neue Wohnungen Baugenehmigungen zu bekommen. Branchenkenner fordern von Google, in bereits vorhandene Förderprogramme für leistbaren Wohnraum zu investieren, anstatt eigene zu gründen. Ein weiterer Vorschlag der Experten: Google könnte Land pachten und es gemeinnützigen Bauträgern kostengünstig zur Verfügung stellen.

Doch selbst wenn Google und Co ihre Pläne umsetzen, sind sie ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut einer regionalen Planungsagentur müssen in der Bay Area bis 2023 rund 188.000 neue Wohnungen gebaut werden. Bisher gibt es nur Baugenehmigungen für rund ein Viertel davon. (Bernadette Redl, 6.10.2019)