Dreibeinfische (Bathypterois) kommen mit ihrem ganz speziellen Stehvermögen der Dreibeinigkeit so nahe wie kaum ein anderes Tier.
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Die Frage im Titel stammt nicht aus Kindermund, sie fiel im Rahmen einer Vorlesung des Paläontologen Geerat Vermeij an der University of California. Er forderte seine Dissertanten auf, "verbotene Phänotypen" zu nennen – also Körperbaupläne von Tieren oder Pflanzen, die es in der Natur nicht gibt und nicht geben kann.

Einer seiner Hörer, Tracy Thomson, hat sich daraufhin mit der Frage zu befassen begonnen, warum es keine dreibeinigen Tiere gibt, und nun in der Fachzeitschrift "Bio Essays" ein Paper dazu veröffentlicht.

Hintergrund

Landwirbeltiere haben ihrer zoologischen Bezeichnung Tetrapoda entsprechend grundsätzlich vier Beine im Körperbauplan. Das schließt allerdings die Umfunktionierung zu Flügeln oder Flossen nicht aus – und kann in manchen Tiergruppen wie den Schlangen oder den amphibischen Blindwühlen bis zur vollständigen Rückbildung der Beine gehen. Wer jedoch tatsächlich geht, der tut dies auf allen vieren oder nur auf zweien.

Bei den Gliederfüßern ist die Bandbreite beträchtlich größer und reicht von den sechs Beinen der Insekten bis zur recht variablen Ausstattung der Tausendfüßer. Von denen ist bislang zwar keiner seinem Namen gerecht geworden, aber der Rekordhalter Illacme plenipes kann es auf immerhin bis zu 750 Beine bringen.

Stabilisierung

Interessanterweise haben beide Großgruppen tierischer Fußgänger aber Annäherungen an die Tripedie hervorgebracht. Sie simulieren gewissermaßen Dreibeinigkeit, wenn die Situation danach verlangt. Dazu gehören sämtliche Arten, die ihren Schwanz als Stütze einsetzen – ob nun auf horizontalem Grund wie ein Erdmännchen, das sich auf Hinterbeine und Schwanz aufrichtet, oder auf vertikalem wie ein Specht, der sich ebenfalls auf seinen Schwanz stützt.

Spechte können sich dank ihrer Schwanzfedern mit einem quasi dreibeinigen Stand absichern.
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Analog zu wackelfreien Stativen und sonstigen Dreifüßen, die der Mensch konstruiert, nutzen diese Tiere die Stabilität, die sich aus einer solchen Haltung ergibt. Sie benötigt keinen Energieaufwand, um in Ruhe zu bleiben, betont Thomson. Zweibeiniger Stand hingegen kommt nicht ohne einen gewissen Anteil an ausgleichender Muskelarbeit aus.

"Dreibeinige" Fortbewegungsweisen

Insekten machen vor, wie diese stabile Ruheposition fließend in Fortbewegung übergehen kann: Bei ihnen gibt es einen Laufmodus, bei dem alternierend zwei Beine auf der einen Seite plus eines auf der anderen gleichzeitig bewegt werden, während ihre jeweiligen Gegenstücke am Boden bleiben.

Bei den Wirbeltieren sind die Beispiele "dreibeiniger Fortbewegung" spärlicher gesät, aber dafür origineller. Papageien beispielsweise pflegen beim Klettern eine sehr flüssig wirkende Quasi-Tripedie, weil sie neben ihren krallenbewehrten Füßen auch den Schnabel geschickt einsetzen. Und Kängurus hüpfen zwar auf mittlerer bis langer Distanz. Beim Grasen allerdings setzen sie auf die Methode, sich mit den kurzen Vorderbeinen und dem Schwanz aufzustützen, um die Laufbeine gleichzeitig hoch und nach vorne zu wuchten.

Marco den Ouden

Das sind aber wie gesagt nur Annäherungen. Echte Dreibeinigkeit findet man nirgendwo – und die Gründe dafür vermutet Thomson weit in der Vergangenheit der Evolutionsgeschichte. Klammert man Nessel- und Hohltiere sowie die Schwämme aus, dann fallen alle komplexen Tiere nämlich in die Gruppe der Bilateria oder Zweiseitentiere. Das heißt, sie haben zumindest im Larvenstadium jeweils eine linke und eine rechte Körperseite, die annähernd spiegelbildlich sind.

Diese Form der Symmetrie ist mit der Ausbildung von drei gleichen Gliedmaßen nur schwer vereinbar, so Thomson. Und sie sei in der tierischen DNA seit langer Zeit "festgebacken" – möglicherweise bis in eine Ära zurückreichend, ehe Tiere überhaupt Beine oder Flossen entwickelt hatten. Die sogenannte molekulare Uhr, die auf DNA-Vergleichen verschiedener Arten basiert, deutet darauf hin, dass sich die Bilateria vor 800 Millionen Jahren entwickelt haben. Über die Tierwelt dieses Urzeitalters weiß man allerdings mangels Funden de facto nichts.

Andere Möglichkeiten

Dabei wären Hintertürchen, um aus diesem strikten Körperbauplan zu entkommen, durchaus denkbar. So sind die Stachelhäuter – etwa Seesterne oder Seeigel – nur als Larven bilateralsymmetrisch. Später wird daraus dann die bekannte fünfstrahlige Radiärsymmetrie. Theoretisch wäre eine solche sekundäre Symmetrie also auch mit drei statt fünf vorstellbar. Es ist aber nie dazu gekommen.

Wenn Fünfstrahligkeit drin ist – warum dann nicht auch Dreistrahligkeit?
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"Wenn wir die Evolution als einen Prozess zu verstehen versuchen, müssen wir verstehen, was sie tun kann und was nicht", sagt Thomson. Was auf unserem Planeten unterblieben ist, könne anderswo durchaus die Norm sein: etwa auf Exoplaneten, im Ozean des Eismonds Enceladus oder gar auf dem Mars. Für den letzteren Fall gäbe es mit den marsianischen Invasoren aus H. G. Wells' "Krieg der Welten" (die zumindest in der Spielberg-Verfilmung dreibeinig waren) ja bereits ein Vorbild. (jdo, 12.10.2019)