Von Unwettern zerstörte Häuser werden zum Spekulationsobjekt.

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David Burt hat während der Finanzkrise 2008 gegen den US-Hypothekenmarkt gewettet. Jetzt stellt er sich wieder gegen den Markt. Allerdings setzt Burt diesmal nicht auf den fallenden Wert von Immobilienpapieren, sondern auf Häuser, die mit dem Klimawandel unterzugehen drohen.

Wie damals hat Burt seinen Vollzeitjob aufgegeben, um sich ganz auf die neue Wette konzentrieren zu können. Er warf seinen Job als Portfoliomanager beim eine Billion Dollar (rund 915 Mrd. Euro) schweren Vermögensverwalter Wellington Management 2018 hin, um die Investmentgesellschaft Delta Terra Capital zu gründen. Sie will Kunden beim Management von Klimarisiken unterstützen. Und Vorteile nutzen, wo immer der Markt diese Gefahren noch nicht eingepreist hat.

Texas und Florida

Seine erste Anlagestrategie zielt auf Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) ab, mit privaten Wohnimmobilien besicherte Wertpapiere. Hier konzentriert sich der Finanzprofi auf die dem Klimawandel besonders ausgesetzten Regionen – etwa Texas und Florida.

Damit reiht sich Burt ein in eine bisher noch überschaubare Zahl von Investoren, die der Ansicht sind, dass das Klimarisiko an den Finanzmärkten unterschätzt wird. "Das Versagen des Marktes, die Klimawissenschaft in die Investmentanalyse zu integrieren, hat ein Phänomen der Fehlpreisbildung geschaffen, das möglicherweise größer ist als die Hypothekenkreditblase Mitte der 2000er Jahre", schrieb Burt in einer Präsentation für potenzielle Kunden. Die meisten großen Investoren stehen den Folgen des Klimawandels für ihre Portfolios skeptisch gegenüber. Oder sie argumentieren, dass sie ausreichend diversifiziert seien, um sich keine Sorgen machen zu müssen.

Veraltete Flutkarten

Burt und drei weitere Investoren sagten in Interviews mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie das Klimarisiko für real halten. Forschung und Daten zeigten, dass Hurrikane, Überschwemmungen und andere Katastrophen eine weitaus größere Bedrohung darstellten, als dies derzeit in den Hypothekenpapieren eingepreist sei. "Ich glaube nicht, dass es neue Klimaeffekte braucht, um zu solchen Schlussfolgerungen zu kommen", sagt Thomas Graff, der den Bereich Fixed Income beim Finanzhaus Brown Advisory leitet. Graff trennte sich von riskanteren RMBS, nachdem Hurrikan Harvey 2017 Houston getroffen hatte.

Klimaforscher und Investoren sagen, veraltete Flutkarten der Regierung trügen dazu bei, dass Risiken auf dem US-Hypothekenmarkt unterschätzt würden. Diese Karten bestimmen die Prämien für staatlich geförderte Hausratversicherungen. Aufgrund von Budgetkürzungen wurden mehr als drei Viertel der Karten seit mindestens fünf Jahren nicht mehr aktualisiert, so die First Street Foundation, eine Organisation, die eine öffentlich zugängliche Datenbank mit aktuellen Informationen zu Hochwasserrisiken entwickelt.

Zu wenige Versicherungen

Veraltete Karten bedeuten, dass weitaus weniger Menschen eine Flutversicherung haben müssen, obwohl wesentlich mehr als gefährdet gelten, sagen Investoren und Forscher. Die University of Bristol schätzt die tatsächliche Zahl auf etwa das Dreifache der 13 Millionen Amerikaner, die derzeit in ausgewiesenen Flutgebieten wohnen und leben.

Die Lücken sind offensichtlich: Laut dem Analysehaus Core Logic waren etwa 70 Prozent aller Schäden an Häusern, die während der Überschwemmungen von Harvey überflutet wurden, nicht durch eine Versicherung abgedeckt. Die Regierung bietet die meisten Hochwasserschutz-Versicherungen in den Vereinigten Staaten an.

Neubewertung nächstes Jahr

Die Lücken bedeuten, dass das Risiko nicht angemessen bewertet wird. Die Kosten für eine durchschnittliche Versicherung in der risikoarmen Green Bay (Wisconsin) sind dreimal so hoch wie in Gulfport (Mississippi), einer von Hurrikan Katrina verwüsteten Stadt, betont Burt. Die Bundesbehörden wollen einige dieser Probleme mit einer größeren Risiko-Neubewertung zum 1. Oktober 2020 beheben.

Burts Wette ist, dass dies zu erheblichen Kostensteigerungen führen wird. Das könnte wiederum die Hauspreise drücken und zu Hypothekenausfällen führen. Das dürfte in der Folge die Schwankungen der RMBS-Preise erhöhen. Burt erwartet eine Korrektur, die in den nächsten sechs bis 18 Monaten beginnen könnte. "Ich wette, dass viele regionale Märkte als Reaktion auf steigende Kosten im Zusammenhang mit den geografischen Risiken starke Preisrückgänge erfahren werden", sagt Burt. Seine These birgt aber auch viele Risiken.

"Es hat sich etwas aufgebaut"

In den vergangenen Jahren haben sich die RMBS-Preise nach Katastrophen wie Harvey nämlich wieder erholt. Der Bund hat sich mit Hilfsmaßnahmen eingeschaltet, wenn Schäden nicht durch eine Hochwasserschutzversicherung gedeckt waren.

Burt glaubt dennoch an seinen Erfolg. So könnte der Wiederaufbau ausfallen, wenn es zu einem wirtschaftlichen Abschwung in den USA komme. "Es hat sich etwas aufgebaut", fasst Burt zusammen. "Und wenn die Korrektur kommt, wird sie wahrscheinlich umfangreicher sein, als die Leute erwarten." (Reuters, 5.10.2019)