Der Mode wird ja gern nachgesagt, sich nicht festlegen zu können. Und das nicht ohne Grund: In der einen Saison heißt es hü, in der nächsten hott. Diesmal allerdings werden dermaßen schwere Geschütze aufgefahren, dass man sie kaum infrage stellen mag. Es sieht alles danach aus, als ob modebewusste Frauen diesen Herbst nicht ohne mindestens ein Paar klobige Stiefel überleben werden. Bodenhaftung zu demonstrieren ist gerade ziemlich modern.

Und so sprechen die Indizien derzeit eine eindeutige Sprache: Die "Springerstiefel" könnten gekommen sein, um zu bleiben. Was unbeirrbare Gothic-Fans und Skinheads (mit den Dr. Martens und Rangers) ganzjährig und tragen, ist nun auch im heißumkämpften Mode-Ghetto angekommen. Weil erstens: Prada. Das Modehaus schickte bestiefelte Wiedergängerinnen von Wednesday Addams, dem Gfrast der "Addams Family", auf zentimeterdicken Profilsohlen über den Mailänder Laufsteg.

Auch Prada fährt in diesem Herbst schwere Geschütze auf.
Foto: REUTERS/Alessandro Garofalo

Zweitens: Bottega Veneta. Seit das Label unter dem Designer Daniel Lee zu einem der heißesten Tickets der italienischen Modewoche avanciert ist, werden die Accessoires ganz genau angeschaut. Die "Biker-Boots mit mehrlagiger Profilsohle" jedenfalls könnte man als schneetauglich bezeichnen: Diese Stiefel hinterlassen Spuren.

Boots von Bottega Veneta.
Foto: Bottega Veneta

Und dann ja, drittens: Die geschnürten Stiefel bei Alexander McQueen. Designerin Sarah Burton hat Modelle entworfen, die auf den ersten Blick so aussehen, als seien sie für die Protestmärsche und -Auftritte der "Extinction Rebellion"-Leute gemacht. Blöd nur, dass die andere Dinge im Sinn haben als neue Stiefel zu kaufen.

Hochgeschnürt bei Alexander McQueen.
Foto: APA/AFP/FRANCOIS GUILLOTv

Aber das macht ja nichts. Es bleiben die, denen Army-Shops und Straßenproteste ein Graus und Shopping-Streifzüge allen Unkenrufen zum Trotz ein Vergnügen sind. So verwundert es nicht, dass Fast-Fashion-Ketten wie Zara längst aufgesprungen sind auf die schweren Stiefel.

In ihnen ließe sich stilsicher eine Runde "für eine lebenswerte, CO2-neutrale Zukunft" rebellieren. Im besten Fall reicht die Sohle auch für eine zweite Demo. (feld, 10.10.2019)