Demonstranten greifen in Quito einen Wasserwerfer mit Brandsätzen an.

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Auch die Polizei wirft Steine.

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Reitereieinsatz gegen Demonstranten vor der Nationalversammlung.

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Vor einer Woche hat Ecuadors konservativer Präsident Lenín Moreno die staatliche Stützung der Treibstoffpreise abgeschafft. Das Land erhält im Gegenzug für die Sparmaßnahme, die 1,3 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) einbringt, vom Weltwährungsfonds einen Kredit in der Höhe von 4,2 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro).

Morenos Sparkurs hat zu einer Verdopplung des Dieselpreises geführt, Benzin wurde um ein Viertel teurer. Die Verkehrsgewerkschaften organisierten daraufhin aus Protest gegen die Preiserhöhungen Straßenblockaden in 18 der 24 Provinzen. In der Hauptstadt Quito brannten Armeefahrzeuge. Am Montag besetzten Demonstranten drei Ölförderanlagen, die Förderung brach um zwölf Prozent ein.

Moreno gab am Dienstag bekannt, angesichts der Proteste den Regierungssitz von der Hauptstadt in die Küstenstadt Guayaquil verlegt zu haben. Zudem verhängte er eine Ausgangssperre nahe wichtigen öffentlichen Gebäuden. Das Verbot gelte zwischen 20 und 5 Uhr unter anderem vor den Sitzen von Staatsorganen, heißt es in einer am Dienstag unterzeichneten Verordnung.

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Bei seiner Fernsehansprache begleiteten Moreno sein Stellvertreter Otto Sonnenholzner, Verteidigungsminister Oswaldo Jarrín und die gesamte Armeespitze. Moreno ließ angesichts der Proteste einen 60-tägigen Ausnahmezustand ausrufen.

Indigene marschieren auf Quito

Am Mittwoch soll erreichte Protestzug von 20.000 Indigenen, der seit Tagen unterwegs war, die Hauptstadt. Sie marschierten in Richtung des historischen Stadtzentrums, die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Vertreter der Ureinwohner erklärten, sie hätten mehrere Dutzend Soldaten in ihre Gewalt gebracht, und drohten damit, weitere Polizisten und Armeeangehörige festzuhalten. Seit dem Jahr 2000 mussten drei von fünf ecuadorianischen Präsidenten wegen Protesten Indigener zurücktreten.

Ein Teil des Protestzugs der indigenen kam schon am Montag in Quito an.
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Moreno hat sich seit seinem Amtsantritt im Mai 2017 stetig vom Linkskurs seines Vorgängers und ehemaligen Mentors Rafael Correa entfernt. Mittlerweile wirft er Correa, der in Belgien lebt, und dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro vor, einen Staatstreich gegen ihn organisieren zu wollen. Beweise dafür legte er allerdings nicht vor.

Auch Venezuelas selbsternannter Interimspräsident Juan Guaidó unterstützt Morenos These vom auslandsgesteuerten Putschversuch: "Eine von Maduros Komplizen finanzierte Gruppe nutzt die verwundbarsten Bevölkerungsteile aus und versucht, das Land zu destabilisieren", schrieb er am Dienstag auf Twitter. (bed, red, 8.10.2019)