Vollzeitjob von Montag bis Freitag, und am Wochenende ist der einzige Dienst an der Familie das Rasenmähen: Dass sich das nach und nach ändert, macht Mütter glücklich.

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Mama Vollzeit daheim bei den Kindern, Papa mindestens 40 Stunden im Job eingespannt: Ganz so streng ist die traditionelle Rollenverteilungen bei vielen Eltern nicht mehr – trotzdem gehen auch heute noch wenige Väter in Karenz, und fast jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, Mütter sogar zu 67 Prozent. Die Zahlen sind in Deutschland ähnlich, dort arbeiten 66 Prozent der Frauen mit minderjährigen Kindern in Teilzeit.

Seit den 1980er-Jahren hat sich die strenge geschlechterspezifische Rollenverteilung aber aufgeweicht. Und wie eine Studie zeigt, macht das vor allem Mütter zufriedener. Von ihnen wird nicht mehr erwartet, dass sie ihre Erwerbsarbeit aufgeben, während es zunehmend selbstverständlich ist, dass sich Väter an der Kindererziehung und -betreuung beteiligen, heißt es in einer Aussendung der Universität Zürich (UZH).

Kluft zwischen Diskussionen und empirischen Daten

SozialwissenschafterInnen aus Deutschland haben gemeinsam mit ForscherInnen der Universität Zürich untersucht, wie sich diese veränderten gesellschaftlichen Erwartungen auf die Lebenszufriedenheit von Müttern und Vätern auswirken. Dafür werteten sie Angaben von mehr als 18.000 Frauen und knapp 12.000 Männer aus, die von 1984 bis 2015 befragt wurden. "Während in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren vermehrt thematisiert wurde, dass Eltern unter großen Belastungen stehen oder ihre Elternschaft sogar bedauern, zeigen unsere Analysen das Gegenteil", sagt Studienautor Klaus Preisner vom Soziologischen Institut der UZH.

In den 1980er-Jahren gaben Mütter bei Befragungen mehrheitlich an, weniger zufrieden mit ihrem Leben zu sein als kinderlose Frauen. Das "Glücksversprechen Kind" wurde damals nicht eingelöst. Das hat auch mit dem damaligen Tabu zu tun, kritisch über Mutterschaft zu sprechen, so die ForscherInnen. Mit zunehmenden Freiheiten, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden und die Elternschaft zu gestalten, ist der sogenannte "maternal happiness gap" verschwunden. Heute finden sich keine Unterschiede mehr in der Lebenszufriedenheit von Müttern und kinderlosen Frauen.

Männer waren schon immer zufrieden

Im Unterschied zu Frauen wurde von Männern früher nicht erwartet, sich an der Kinderbetreuung zu beteiligen. Obwohl dies heute anders ist, hat sich die Zufriedenheit von Vätern mit ihrem Leben im Vergleich zu kinderlosen Männern dadurch kaum verändert.

"Väter, die den neuen Erwartungen gerecht werden, werden heute immer häufiger mit öffentlicher Anerkennung für ihr Engagement belohnt", ergänzt Preisner. Möglich wurden mit diesen veränderten Erwartungen in Deutschland auch neue familienpolitische Maßnahmen wie etwa die Elternzeit nach der Geburt eines Kindes sowie die Schaffung von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder außerhalb der Familie.

Moderne Familienpolitik spielt laut Preisner für die neuen Freiräume für Mütter und Väter eine große Rolle, etwa geförderte externe Kinderbetreuung oder die Möglichkeit eines Elternurlaubs. "Familienpolitische Maßnahmen sind nicht nur im Sinne der Gleichstellung von Frauen und Männern von großer Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf die Lebenszufriedenheit der Eltern und damit letztlich auch der Kinder." (red, 9.10.2019)