Viktor Orbáns Fidesz setzt bei der ungarischen Kommunalwahl auf traditionelle Familienwerte. Der Sexskandal des Bürgermeisters von Győr kommt da gar nicht gelegen.

Foto: AP / Szilard Koszticsak

Győr – Ein Besuch auf der Pornoplattform Pornhub gehört aus aktuellem Anlass zum Aufgabenbereich von Journalisten, witzelt die ungarische Reporterin Anita Komuves auf Twitter. Dort kursieren nämlich Videos, die den ehemaligen Olympiasieger und amtierenden Bürgermeister von Győr, Zsolt Borkai, zeigen.

Borkai, Mitglied von Viktor Orbáns Regierungspartei Fidesz, will bei der Kommunalwahl am 13. Oktober wiedergewählt werden. Doch das dürfte nach dem Eklat, den er mit dem Sexskandal ausgelöst hat, schwierig werden: Die Aufnahmen zeigen, wie sich Borkai mit Prostituierten im Frühjahr 2018 auf einer Jacht in der Adria vergnügt. Laut Medienberichten war dabei auch Kokain im Spiel. Den Jachtausflug soll Borkai mit Staatsgeld finanziert haben.

Die heimlich aufgenommenen Videos waren durch einen anonymen Blogger ins Netz geraten, der sich "Anwalt des Teufels" nennt und laut eigenen Angaben als Rechtsanwalt korrupte Geschäfte von Regierungspolitikern abgewickelt hat. Am Freitag hatte er vorerst nur ein Foto, auf dem der Bürgermeister mit Prostituierten zu sehen ist, ins Netz gestellt – daraufhin beklagte Borkai eine unbegründete Diffamierungskampagne. Am Wochenende veröffentliche der Blogger dann die Videos – und die Drohung, dass er noch weiteres belastendes Material besitze.

Der 54-jährige Borkai – 1988 Olympiasieger auf dem Seitpferd und später Präsident des Ungarischen Olympischen Komitees – gab letztlich zu, auf den Videos zu sehen zu sein. Diese seien aber zum Teil manipuliert worden. Zudem habe er die Reise nicht mit Staatsgeld finanziert. Seine Familie stehe hinter ihm, betonte Borkai gegenüber Medien und veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite ein Foto mit seiner Ehefrau und seinen beiden erwachsenen Kindern.

Imageschaden für Fidesz

Trotz des Sexskandals will der Bürgermeister erneut für die Fidesz antreten. Laut Politologen könnte der Skandal bei der bevorstehenden Kommunalwahl auch der Orbán-Partei selbst schaden, die die "Heiligkeit der Familie" in den Mittelpunkt ihrer Propaganda stellt. Die Fidesz selbst bezeichnete das Video als Borkais "Privatangelegenheit". Keinen Kommentar gab es zu den Vorwürfen, dass Borkai in Korruptionsangelegenheiten verwickelt sei, die ihm über Scheinfirmen Millionen Euro eingebracht haben sollen. (red, APA, 9.10.2019)