China missfällt, dass Aktivisten in Hongkong eine App nutzen, die zur Ortung der Polizei dient. Auch an einem Song auf Apple Music stößt man sich in Peking.

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Hongkong – Seit Monaten gehen Aktivisten auf die Straße, um gegen den wachsenden Einfluss von Peking auf die Regierung in Hongkong zu demonstrieren. Teils friedlich, teils sehr gewalttätig. China betrachtet die Situation mit Argwohn und bringt einen neuen Aspekt in die Causa.

Peking hat Apple vorgeworfen, die Demonstranten in Hongkong zu unterstützen. Der US-Technologiekonzern biete eine mobile Verkehrs-Anwendung an, die den Aktivisten die Standorte der Polizei anzeige, kritisierte am Mittwoch das Parteiorgan "Volkszeitung". Dies mache es Demonstranten leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen.

Vorwürfe über App und Lied

"Apples Zustimmung zu der App hilft natürlich den Randalierern. Was ist die tatsächliche Absicht?", schrieb das Blatt. Bei Apple Music biete der iPhone-Konzern zudem ein Lied an, das offen für die Unabhängigkeit Hongkongs von China eintrete. Niemand wolle das US-Unternehmen in die Unruhen in der Sonderverwaltungsregion hineinziehen. "Die Menschen haben aber Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar illegalen Handlungen vermischt", heißt es weiter. Apple müsse "über die Konsequenzen seiner unklugen und rücksichtslosen Entscheidung nachdenken".

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber – anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik – mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.+

Probleme mit NBA

Ein anderer Dorn im Auge der Chinesen ist die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA. Nach einem Pro-Hongkong-Tweet des General Managers der Houston Rockets, Daryl Morey, am Wochenende üben chinesische Sponsoren derzeit massiven Druck auf die Liga aus. Wie Chinas Staatssender CCTV am Dienstag bekannt gab, wurden Live-Übertragungen von zwei NBA-Testspielen in Shanghai und Shenzhen gestrichen. In Peking und Schanghai werden bereits NBA-Logos übermalt und abgehängt.

Eingreifen von China

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam schließt ein Eingreifen des chinesischen Militärs im Falle einer krassen Eskalation der Proteste nicht aus. "Wenn die Situation so schlimm wird, kann keine Option ausgeschlossen werden", sagte Lam am Dienstag bei einer Pressekonferenz auf die Frage eines Journalisten, ab welchem Punkt sie die chinesische Regierung um Hilfe bitten würde.

Lam machte dabei aber mehrfach deutlich, dass sie weiterhin davon ausgehe, dass Hongkongs Regierung die Lage alleine bewältigen könne. "Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch das starke Gefühl, dass wir die Lösungen selbst finden werden", sagte Lam. Dies sei auch die Position der chinesischen Zentralregierung. (APA, red, 9.10.2019)