Juhu, das Wochenende steht bevor: Die Freude ist nur vernünftig und gesund – und nicht leistungsfeindlich.

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Es ist ja schon von gestern, man sagt es so gar nicht mehr: TGIF – Thank God It's Friday, der Ausdruck ultimativer Freude über nahende Wochenendfreizeit von Arbeitsleistenden, die überwiegend Montag bis Freitag im Dienst im Büro verbringen. Radiomoderatoren strapazieren den Schlachtruf noch gelegentlich mit "Hey, hey, it's Friday" oder zählen ab Dienstag die noch abzuarbeitenden Tage.

Alles sehr zum Missfallen von Personalchefs und leitenden Firmenvertretern in Österreich. Kaum ein Podium, das sich nicht darüber empört, wie man denn Arbeit als solch beschwerlichen Gegensatz zum Leben darstellen könne. Erholung? Ja, okay, aber um wieder arbeitsfähig zu werden, nicht nur so zum Spaß, das geht gar nicht.

Leben nach der Arbeit richten

Er sitzt noch sehr tief, dieser Leistungsbegriff, in Österreich. Jener, der sich aus der notwendigen Schwere und Länge einer Arbeit speist, die sich erst deswegen Arbeit nennen darf. Danach ist das Leben zu richten, dem ist das Leben unterzuordnen. Dann darf man (vielleicht) auch Ansprüche stellen.

Selbstverständlich ignorieren das Junge, die gut ausgebildet sind und wissen, dass sie benötigt werden. In dieser Woche etwa ein für 9 Uhr Früh angesetztes Abstimmungstelefonat im Vorfeld eines Kongresses mit einem Treasurer eines sehr großen heimischen Leitbetriebs. Meist ist so etwas in 15 Minuten "zu erledigen" – Fakten, Fakten und dann auf Wiederhören. Es war anders. Dauerte eine halbe Stunde, war professionell und sehr entspannt. Wo er sich befinde? Auf der Couch zu Hause. Noch ein kleines Geplauder über die lohnendsten Bergtouren, über die Vorzüge von Training in der Mittagspause.

Keineswegs leistungsfeindlich

Es ist also auch in Österreich angekommen, was sich grob Work-Life-Balance nennt. Oft ist damit ja eigentlich die vielfach problematische Vereinbarkeit von Familienpflichten und dem Job gemeint, nach dem Motto "Jetzt hast du dich eh erholt auf dem Weg in den Kindergarten und kommst später, jetzt aber hopp, hopp einarbeiten". Ein schweres Missverständnis.

Und es führt mit den Jahren zu sehr griesgrämigen Gesichtern, macht Heerscharen von finster zur Arbeit Stapfenden – die Öffis sind voll davon. Ohne volkswirtschaftliche Rechnungen anstellen zu müssen: Es ist so nicht gesund. Thank God It's Friday. Das ist nicht leistungsfeindlich. (Karin Bauer, 17.10.2019)