Das Prinzip des In-die-Ecke-Stellens ist einfach, es klappt immer, und man braucht weder besondere Fähigkeiten noch besonderes Training. Voraussetzung ist nur taktische Skrupellosigkeit.

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Für die meisten Menschen ist es praktisch und oft sogar tröstlich, Worte für das zu finden, was sie spüren und erleben. Cornering ist so ein brauchbares Wort – und eigentlich die effektivste Killertaktik für Machtwillige auf dem Weg nach oben. Oder für Mächtige, sich oben zu halten. Das Prinzip ist schlicht und einfach, es klappt immer, und man braucht weder besondere Fähigkeiten noch besonderes Training. Voraussetzung ist nur taktische Skrupellosigkeit.

Erlebt haben es bereits sehr viele in Unternehmen. Einer Person nur diejenigen Fragen stellen, auf die man sie im Beitrag und in der Rolle fixieren und reduzieren will. Keine Möglichkeit geben, sich über diese am besten möglichst eng definierten Rollengrenzen zu äußern. Vulgo: ins Eck stellen.

Schwer, wieder herauszukommen

Am häufigsten passiert es Mitarbeitenden, die einen diversen Beitrag leisten, die hinterfragen oder etwas wissen und können, das den Machtprozess stört. Denen ist eine möglichst enge Rolle zu geben, am besten weit weg vom Strategischen, am besten weit weg von irgendeiner möglichen Wirksamkeit, weit weg von der Chance, noch andere ins Boot zu holen.

Cornering wird überall eingesetzt. Beim Smalltalk im professionellen Kreis bereits wird die Mutter ausschließlich nach dem Wohl ihrer Kinder gefragt. Beim Meeting wird der Blickkontakt vermieden, und die- oder derjenige wird auf möglichst operative, administrative Beiträge reduziert – keineswegs wird die Meinung zu einem relevanten Thema eingeholt. Ist die Rolle im Eck mal fixiert, wird es sehr schwer, jemals wieder heraus zukommen. Ein gutes Geschäft für Coaches. (Karin Bauer, 11.10.2019)