Die Medaille, die mit dem Preis einhergeht.

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Literaturpreise gibt es wie Sand am Meer – solche, die über Sprachgrenzen hinweg vergeben werden, sind hingegen selten. Der Nobelpreis für Literatur ist in seiner Bedeutung und der ihm zuteilwerdenden Aufmerksamkeit ohnegleichen. Mit umgerechnet 830.000 Euro Preisgeld ist er abenteuerlich hoch dotiert. Den Kurswert einer Auszeichnung bestimmt aber ebenso ihr Leumund. Der war zuletzt nicht gut.

Als die Schwedische Akademie, die seit 1901 über die Vergabe entscheidet, 1786 gegründet wurde, sollte sie 20 Mitglieder haben. König Gustav III. befand aber, dass "achtzehn" schöner klinge. Nach im November 2017 bekannt gewordenen Skandalen wurde das Gremium noch kleiner.

Vergewaltigung, Ausplaudern von Preisträgern, zweifelhafte Fördervergaben. Zur größten Katastrophe für das Gremium wurde aber sein an Selbstzerfleischung erinnerndes Krisenmanagement. Aufgrund von Protestaustritten war der Zirkel letztlich wegen zu weniger verbliebener Mitglieder beschlussunfähig. Die Vergabe 2018 wurde abgesagt.

Juristisch aufgearbeitet

Inzwischen ist alles geklärt und wo nötig juristisch aufgearbeitet. Jean-Claude Arnault, Ehemann des früheren Akademie-Mitglieds Katarina Frostenson und im Zentrum der Beschuldigungen, sitzt seit dem Sommer für zweieinhalb Jahre in Haft. Personell hat sich das eigentlich auf Lebenszeit ernannte Komitee auch neu aufgestellt. Wenn am 20. Dezember die letzten neuen Mitglieder ihr Amt antreten, ist der exklusive Klub unter der Schirmherrschaft des Königs wieder voll.

2018 war nicht das erste Jahr, in dem kein Preis vergeben wurde – fünf Mal setzte man ihn während der beiden Weltkriege aus. Darf man oder darf man ihn nicht nachholen, lautete im Vorfeld des diesjährigen Preises also die Frage: Es würde den Skandal bloß vertuschen, argwöhnten Kritiker; die Literatur solle nicht an den Verfehlungen der Akademiemitglieder leiden, konterten jene und setzten sich durch.

Mehr Diversität gefordert

Über die nun vergebenen Preise entschied ein Komitee aus fünf Akademiemitgliedern und gleich vielen externen Kritikern, Autoren, Übersetzern. Angesichts der Tradition der für ihre Entscheidungen oft verstaubt und patriarchal genannten Institution sorgte für Aufsehen, dass darunter eine erst 31-jährige und eine 27-jährige Berufene sind. Das darf nur der erste Schritt zu einer Öffnung und mehr Diversität sein, fordern viele.

Geschlecht, Hautfarbe und Herkunft möglicher Preisträger standen heuer dank zweier Preise mehr in der Diskussion als sonst. Den Erwartungen wurde die Akademie nicht gerecht. Zwar haben ein Mann und eine Frau gewonnen, aber beide stammen aus Europa, wird bekrittelt. (wurm, 10.10.2019)