Schock: Eran Zahavi brachte Israel 1:0 voran.

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Mit dem 1:1 von Valentino Lazaro wurde dann aber der Umschwung eingeleitet.

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Im Stile eines Mittelstürmers traf Hinteregger zur 2:1-Führung.

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Marcel Sabitzer stellte den Endstand her.

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Jubel, Trubel, Heiterkeit.

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Wien – Es ist noch einmal gutgegangen. Österreichs Fußballnationalteam ist der EM-Endrunde 2020 ein großes Stück näher gekommen. Die Leistung am Donnerstagabend vor nur 26.200 Zuschauern im Wiener Ernst-Happel-Stadion wäre an Großartigkeit durchaus zu überbieten gewesen, die Moral hat aber letztendlich gepasst. Nach einem 0:1-Rückstand wurde Israel 3:1 geschlagen. "Es war nicht das beste Spiel von uns in dem Jahr", sagte Valentino Lazaro, der kurz vor der Pause das wichtige 1:1 beigesteuert hatte. "Aber wir haben alles für diesen Sieg gegeben, wir haben ihn verdient. Und wir sind voll im Rennen um die Endrunde, das ist das Allerwichtigste." Österreich liegt nun mit 13 Punkten hinter Polen (16) auf Platz zwei der Gruppe G, weil Slowenien 1:2 in Nordmazedonien unterlag.

Alabas Posse

Die Posse um David Alaba und seine lädierte Rippe (Haarriss plus Ödem) war rund sieben Stunden vor Anpfiff beendet, er musste passen. Das kam nicht überraschend, hatte sich schon bei der Kaderbekanntgabe abgezeichnet. Aber man wollte nichts unversucht lassen. Alaba fehlt auch am Sonntag in Ljubljana gegen Slowenien. Konrad Laimer, das zweite Sorgenkind, konnte dafür mittun, gezerrte Adduktoren leisten offensichtlich weniger Widerstand als beleidigte Rippen. Stefan Posch ersetzte rechts in der Viererkette Stefan Lainer, Teamchef Franco Foda stellte Stefan Ilsanker neben Kapitän Julian Baumgartlinger ins defensive Mittelfeld, was nicht gerade von Mut zeugte. Laimer rückte in die linke Offensive vor, es war ein im Idealfall flexibles 4-2-3-1-System.

Kollege Andreas Herzog (4-3-3) wiederum vertraute im Sturm nicht dem jetzt schon legendären Wolfsberger Goalgetter Shon Weissman, Ex-Salzburger Munas Dabbur erhielt den Vorzug. Israel musste gewinnen, um im Rennen zu bleiben, Österreich sollte, also konnte man rein theoretisch von einer munteren Fußballpartie ausgehen. Für die Tore waren zwei Wahlchinesen eingeplant, hüben Marko Arnautovic, drüben Eran Zahavi. Zahavi hatte in der laufenden Quali schon neunmal getroffen (dreimal in Haifa beim 4:2 gegen Österreich), Arnautovic sechsmal (zweimal in Haifa beim 2:4 gegen Israel).

Zahavis Traumtor

Die ÖFB-Auswahl, die unlängst in Warschau beim 0.0 gegen Polen förmlich begeistert hat, kam überhaupt nicht ins Spiel. Die ersten 25 Minuten waren nahezu gespenstisch, keine Präzision, keine Fantasie, kein Mut, keine Überzeugung, kein Pressing, keine Chancen. Die Israeli nahmen geschickt das Tempo raus. Okay, Marcel Sabitzer hat fast aufs Tor geschossen (26.). 34. Minute: Zahavi schüttelt Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger ab, zieht aus rund 20 Metern ab. Via Innenstange landet Ball zum 0:1 im Kreuzeck. Prädikat sehenswert, jetzt sind es für den 32-jährigen Zahavi zehn. Herzog war aus dem Häuschen.

Es sollte ein Weckruf für Österreich gewesen sein, urplötzlich lief es besser. 37. Minute: Arnautovic volliert ein Zuspiel des starken Sabitzer an die Stange. 41. Minute: Arnautovic spielt Lazaro frei, der Reservist von Inter Mailand trifft zum 1:1. Arnautovic scheitert kurz darauf ein wenig an sich selbst und an Keeper Ofir Marciano, eine Halbzeitführung wäre unverdient gewesen.

Hintereggers Spektakel

Die höhere Qualität sollte sich dann aber doch durchsetzen, Israel ist in der Weltrangliste lediglich die Nummer 86. Der Druck wurde nach der Pause erhöht, das führte zwangsläufig zur Ernte. Minute 56: Flanke Laimer, der diesmal absolut nüchterne Hinteregger macht auf spektakuläre Art das 2:1, ein Seitfallzieher, der fast an Hans Krankl in Cordoba erinnerte. 88. Minute: Sabitzer stellt auf 3:1, dieses Tor erinnerte fast an jenes von Zahavi. Herzog sparte sich eine Wutrede. (Christian Hackl, 10.10.2019)

EM-Qualifikation, Gruppe G, 7. Runde, Donnerstag

Österreich – Israel 3:1 (1:1)
Ernst-Happel-Stadion, 26.200 Zuschauer, SR Collum (SCO)

Torfolge:
0:1 (34.) Zahavi
1:1 (41.) Lazaro
2:1 (56.) Hinteregger
3:1 (88.) Sabitzer

Österreich: Stankovic – Posch (63. Trimmel), Dragovic, Hinteregger, Ulmer – Baumgartlinger, Ilsanker – Lazaro, Sabitzer, Laimer (59. Schaub) – Arnautovic (82. Gregoritsch)

Israel: Marciano – Taha (76. Cohen), Tibi, Elhamed – Dasa, Natcho, Bitton, Tawatha (54. Ben Harush) – Solomon, Zahavi, Dabbur (70. Weissman)

Gelbe Karten: Baumgartlinger, Posch bzw. Dabbur, Bitton