Nimmt erstmals als IWF-Direktorin an der Herbsttagung teil: Kristalina Georgieva

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Washington – Handelskonflikte und schwächeres Wirtschaftswachstum überschatten das Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Ab heute, Montag, beraten Finanzminister, Zentralbanker und Chefs von Großbanken bei der einwöchigen Tagung zur Weiterentwicklung des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems. Herausforderungen gibt es genug: Entwicklungspolitik, Handelsstreit, Klimawandel und internationale Finanzstabilität gehören dazu.

Erstmals als IWF-Direktorin dabei ist Kristalina Georgieva, die den Währungsfonds seit Anfang Oktober leitet. In ihrem Ausblick auf die Tagung warnte Georgieva, dass der IWF seine Konjunkturprognose senken werde. Für heuer erwarte der IWF "langsameres Wachstum in fast 90 Prozent der Welt", sagte die aus Bulgarien stammende Ökonomin. Allein der Handelskonflikt zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften, könnte die globale Wirtschaftsleistung 2020 um bis zu 700 Milliarden US-Dollar (634 Mrd. Euro) reduzieren, warnte die neue Weltbank-Chefin. Das entspräche rund 0,8 Prozent der gesamten Weltwirtschaft.

Große Skepsis

Für etwas Erleichterung dürfte aber das Teilabkommen der beiden Länder sorgen, das US-Präsident Donald Trump am Freitag verkündet hat. Allerdings ist noch nichts unterzeichnet – und angesichts wiederkehrender Eskalationen des Konflikts in den vergangenen Monaten bleibt die Skepsis groß.

Am Dienstag wird der Währungsfonds bei der Tagung dann seine neueste Konjunkturprognose vorstellen. Darunter werden auch Vorhersagen für die Eurozone sein. Am Mittwoch ist dann der IWF-Bericht zur globalen Finanzstabilität an der Reihe. In seiner jüngsten Prognose, die Ende Juli veröffentlicht worden ist, hat der IWF für dieses Jahr ein um 0,1 Prozentpunkte schwächeres globales Wachstum von 3,2 Prozent vorhergesagt. Für das Jahr 2020 hat der Fonds die Prognose ebenfalls gekürzt, und zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent.

Premiere für OeNB-Gouverneur Holzmann

Der IWF, der 1945 gegründet wurde und seinen Sitz in Washington hat, sieht sich als Stabilisator des globalen Finanzsystems. Die Institution mit rund 2700 Beschäftigten soll darüber wachen, dass es weltweit nicht zu großen Währungsturbulenzen oder Schuldenkrisen kommt. Im Notfall vergibt der IWF Kredite an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten. Die Weltbank hingegen konzentriert sich mehr auf Finanzierung oder Verwirklichung internationaler Entwicklungsprojekte.

Von österreichischer Seite wird an dem Treffen auch der neue Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann teilnehmen. Er hat einst für den IWF (1988 bis 1990) gearbeitet und war von 1997 bis 2011 bei der Weltbank tätig. (APA, red, 14.10.2019)