Seit vor ein paar Jahren die Franzosen das batterieelektrische Thema bei leichten Nutzfahrzeugen salonfähig gemacht und gezeigt haben, dass die Reichweiten für den professionellen Stadteinsatz reichen, gerät auch in diesem Fahrzeugsegment die Welt in Bewegung, Zielsetzung: Ökonomie trifft Ökologie.

Ford ist in dieser Liga mit einer Reihe von Fahrzeugen breit aufgestellt, und nun hat man sich die in der Türkei gebaute Transit-Baureihe vorgenommen, um diese auf umweltverträglich vorzeigbar, wenn nicht gar auf vorbildlich, zu trimmen.

Das als Flottenfahrzeug beliebte Last- und Arbeitstier Transit und die Bus-Version Tourneo Custom gibt's in imposanter Variantenvielfalt. Hier der gesamte Trägerflottenverband.
Foto: Ford

Zur Veranschaulichung dieser Bemühungen lud der Hersteller zu einer Art Leistungsschau nach Stockholm, schöne Grüße an Greta, und dabei ging es zwar nicht um Elektronutzfahrzeuge – ein batterieelektrischer Transit ist erst für 2021 avisiert -, aber um in unterschiedlichem Ausmaß elektrifizierte. Die zugehörigen Stichworte lauten: 48-Volt-Mildhybrid, Plug-in-Hybrid.

48 Volt, diese Technologie ist inzwischen fast jeder Hersteller bemüht, so rasch wie möglich einzuführen und der Kosten wegen dann gleich in die Breite zu bringen. Anders sind die rigorosen Abgasbestimmungen beim Verbrennungsmotor in Zukunft nämlich kaum mehr erreichbar.

Ford verpflanzt dabei zunächst einmal den überarbeiteten Zweiliter-Diesel in den Transit, die Maschine gibt es in den Leistungsstufen 105, 130 und 170 PS – neu hinzu kommt oben drüber eine mit 185 PS, die bei den ersten Testfahrten im Umland von Stockholm einen ganz hervorragenden Eindruck hinterlassen hat: kraftvoll, kerniger Klang, sparsam.

Leichter, sparsamer

Nicht von ungefähr, meint Ford, denn durch die Überarbeitung sei der Motor allein schon sieben Prozent effizienter als bisher. Zusätzlich drei Prozent minus steuert das 48-Volt-Paket mit integriertem riemengetriebenem Starter-Generator bei, der eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie lädt. Zudem wurde der Transit noch gewissenhaft auf überflüssige Pfunde geprüft, 48 Kilogramm wurden beim Fronttriebler gefunden und eliminiert, gar 80, mehr als ein durchschnittlicher Standard-Redakteur wiegt, beim Hinterradler.

Weil es (künftig) auch Städte und Stadtviertel gibt, die verbrennungsmotorisch betriebenen Automobilen die Einfahrt verwehren, hat Ford für Transit Custom und Tourneo Custom – die achtsitzige Bus-, die Passagierbeförderungsversion des beliebten, traditionsreichen Arbeitstieres – plug-in-hybridisiert. Damit lassen sich elektrische Reichweiten von bis zu 65 km (NEFZ) erzielen.

Range Extender

Allerdings bringen diese Plug-ins ihre Leistung ausschließlich über den 92,9 kW (126 PS) starken Elektromotor an die Räder. Der Otto, ein 1,0-Liter-Turbo-Dreizylinder mit 120 PS, tritt ausschließlich als Range Extender in Erscheinung und lädt bei Bedarf die unterflurverbaute 13,6-kWh-Batterie (Zellen von LG). Die Rede ist also von seriellem Plug-in-Hybrid.

Ford stellt mit diesem Paket gut 500 km Reichweite in Aussicht sowie 4,3 Stunden Ladedauer an der Haushaltssteckdose – mit Typ-2-Wechselstrom-Ladestecker 2,7.

Erste Fahrimpressionen mit dem Tourneo Custom PHEV? Also, übermotorisiert ist er bestimmt nicht. Und wenn sich der Benziner zuschaltet und hochdreht, klingt das wie im Prius mit dessen E-CVT-Getriebe. Nervig, aber ökologisch korrekt. Sinnvoll? Klar. Denn sauber nutzt am meisten. (Andreas Stockinger, 19.10.2019)