Die polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk äußerte sich am Dienstag bei der Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Buchmesse.

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Frankfurt am Main/Warschau – Die neue polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk ist "nicht besonders glücklich" über den Sieg der Nationalkonservativen bei der Parlamentswahl in Polen am Sonntag. "Mich beunruhigt der Versuch einer historischen Erinnerungspolitik", sagte die Autorin am Dienstag bei der Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Buchmesse.

Sie sehe die Auswirkungen einer zweiten Legislaturperiode mit absoluter Mehrheit für die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) vor allem als bedrohlich für Theater und Museen, die häufig in staatlicher Hand seien. Die Lage für Schriftsteller werde dadurch weniger verändert, meinte die Autorin, deren jüngstes Buch "Die Jacobsbücher" gerade auf Deutsch erschienen ist und in Polen mit dem höchsten Literaturpreis des Landes ausgezeichnet worden war. "Wir brauchen nur einen Computer oder sogar nur einen Bleistift, und die meisten Verlage sind in privater Hand." Eine Zensur für Schriftsteller gebe es nicht in Polen. Allerdings beobachte sie einen Hang zur Selbstzensur bei einigen ihrer Kollegen, die mit schwierigen Themen nicht anecken wollten. "Ich hoffe, dass das nicht weiter fortschreitet."

Tokarczuk war vergangenen Donnerstag der nachgeholte Literaturnobelpreis für das Jahr 2018 zugesprochen worden. Sie selber sehe sich zwar nur "im weitesten Sinne" als politisch, sagte Tokarczuk, die in der Vergangenheit von PiS-Anhängern und -Politikern wegen ihres Engagements etwa für die Rechte von Homosexuellen und das Anprangern von Antisemitismus in Polen kritisiert wurde. Heute werde aber alles zur Politik: "Wie wir leben, was wir essen, welche Einstellung wir zu anderen haben." (APA, 15.10.2019)