Derzeit wird auf dem Hof in Ruinerwold ermittelt.

Foto: Reuters/PIROSCHKA VAN DE WOUW

Was wissen wir über den Österreicher, den man am Dienstagabend in den Niederlanden nahe Ruinerwold, wo eine isoliert lebende Familie gefunden wurde, festgenommen hat?

Das Außenministerium bestätigte, dass es sich um einen 58-jährigen Österreicher handelt, der "seit mehreren Jahren" in Ruinerwold in der niederländischen Provinz Drenthe lebe. Weitere offizielle Informationen gibt es laut Sprecher Peter Guschelbauer nicht. Laut STANDARD-Informationen wurde der Mann in Oberösterreich geboren. Die APA berichtet, dass er 2010 von einer Gemeinde im Bezirk Perg aus in die Niederlande ausgewandert sein. Medienberichten zufolge wurde er in Ruinerwold "Joseph der Österreicher" genannt, er sei Tischler.

Was wird dem Österreicher vorgeworfen?

Der Mann wird der Freiheitsberaubung verdächtigt. Er war nach Informationen der niederländischen Polizei am Mittwoch weiter in Gewahrsam und wurde befragt. Nach Angaben der Polizei war er Mieter des Bauernhauses, in dem eine Familie in einem isolierten, versperrbaren Raum aufgefunden wurde. Der Bürgermeister des Ortes Ruinerwold, Roger de Groot, sagte, es handle sich bei dem Mann nicht um den Familienvater.

Ist das österreichische Außenministerium in die Ermittlungen eingebunden?

Nein, der Festgenommene gab an, keinen Kontakt zu österreichischen Behörden haben zu wollen, und wünscht auch sonst keine Unterstützung aus Österreich. Somit gibt es für österreichische Behörden derzeit keine Möglichkeiten, in der Causa weiter aktiv zu werden.

Haben die in dem Haus in Ruinerwold entdeckten Personen einen Bezug zu Österreich?

Laut Wissensstand des Außenministeriums nicht. Es handle sich um Personen mit niederländischer Staatsbürgerschaft.

Was weiß man über die isolierten Personen?

Nach Angaben der niederländischen Polizei von Mittwoch wurden fünf Geschwister im Alter von 18 bis 25 Jahren entdeckt, ferner ein Mann, den die Ermittler als kranken Vater der jungen Erwachsenen identifizierten. Dem Bürgermeister zufolge lebten sie seit 2010 auf dem Grundstück. Die Polizei gab am Mittwoch bekannt, dass sich die Familie in einem "kleinen Raum in dem Haus, der versperrbar war", aufgehalten habe. Zunächst berichteten Medien über einen Kellerraum, dem widersprach die Polizei dann explizit. Den Ermittlern zufolge war auch noch nicht geklärt, ob die Menschen sich gegen ihren Willen in dem Raum befanden.

Wie wurde die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam?

Der Wirt des Dorfwirtshauses hatte die Polizei am Montag alarmiert, nachdem ein fremder, völlig verwirrter junger Mann in der Wirtsstube aufgetaucht sei: "Er sagte, dass er weggelaufen sei und Hilfe brauche", berichtete der Wirt. Der 25-Jährige habe auch erzählt, er sei neun Jahre lang nicht draußen gewesen. Es soll sich um den ältesten Sohn handeln.

Hatte der junge Mann Zugang zum Internet?

Er soll in sozialen Netzwerken aktiv sein. Ob die Profile auf Facebook und Instagram authentisch sind, ist unklar. Die ältesten Einträge in dem Facebook-Account stammen vom Juni 2019. Angaben zu früheren Lebensereignissen wurden nachträglich hinzugefügt, etwa zu seinem Job. Medien berichten, es handle sich um einen Job bei einer Firma des festgenommenen Österreichers.

Wartete die Familie auf den Weltuntergang?

Darüber finden sich in zahlreichen Medien Spekulationen, offizielle Kommentare gibt es dazu aber nicht. Polizeisprecherin Grietje Hartstra wies darauf hin, dass noch viele Fragen offen seien.

Wie wurde die Familie versorgt?

Sie soll sich Medienberichten zufolge von Gemüse aus dem Garten und Tieren auf der Farm ernährt haben, offizielle Angaben gibt es dazu aber nicht.

Was weiß man über die Mutter der Kinder?

Bürgermeister de Groot zufolge geht man davon aus, dass die Frau gestorben ist, bevor die Familie auf die niederländische Farm zog. Keines der Familienmitglieder war in der Gemeinde behördlich gemeldet. (Gudrun Springer, Rosa Winkler-Hermaden, 16.10.2019)