Dirk Obbink (rechts) auf einem Foto aus dem Jahr 2006.
Foto: AP Photo/Nikolas Giakoumidis

London – Schwere Vorwürfe gegen einen Professor der renommierten Oxford-Universität: Der Papyrologe Dirk Obbink soll ohne Genehmigung biblische Papyri veräußert haben. Die wertvollen Manuskripte gehören zur Sammlung der Oxyrhynchus-Papyri, benannt nach einer historischen Stadt in Oberägypten, die seit dem 19. Jahrhundert eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte ist.

Seit damals wurden dort tausende Papyri entdeckt, die von der hellenistischen bis zur byzantinischen Epoche reichen. Zu den in Altgriechisch und Latein verfassten Texten gehören biblische Schriften ebenso wie Werke aus der griechischen Antike, Briefe und andere Dokumente.

Die Sammlung gehört der Egypt Exploration Society (EES), einer Stiftung zur Finanzierung britischer Ausgrabungen in Ägypten, und wird in der Oxford-Universität aufbewahrt. Gegen Obbink, der zuletzt als Berater eines spektakulären Entzifferungsprojekts mediale Aufmerksamkeit erhielt, wurde nun der Verdacht erhoben, knapp ein Dutzend solcher Papyri heimlich verkauft zu haben.

Die Abnehmer

Laut EES soll Obbink die Papyri an Hobby Lobby, eine US-Kette von Kunst- und Kunsthandwerksgeschäften, verkauft haben. Mindestens elf Papyri sollen an das Bibel-Museum in Washington gegangen sein. Dieses schickte nach eigenen Angaben Fotos der Texte an die Stiftung und erklärte sich zudem zu ihrer Rückgabe bereit. Zu den Manuskripten zählen demnach Auszüge aus den Büchern Genesis und Exodus sowie Psalme.

Das vor zwei Jahren eröffnete Bibel-Museum in Washington erzählt auf mehreren Etagen die Geschichte der Bibel. Finanziert wurde es von einer christlich-konservativen Familie, in deren Besitz sich auch Hobby Lobby befindet.

Ein Sprecher der Uni Oxford sagte, die Universität wolle nun mit Hilfe eigener Ermittlungen die Vorwürfe klären. Obbink selbst reagierte noch nicht auf Bitten um eine Stellungnahme. (red, APA, 16. 10. 2019)