Von der Türkei unterstützte Milizen in der Grenzstadt Tal Abyad.

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Am späten Donnerstagnachmittag lag Ras al-Ain noch unter türkischem Artilleriebeschuss.

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Im syrischen Zor Magar weht in Sichtweite der türkischen Grenze eine russische Fahne,

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Ankara – US-Vize-Präsident Mike Pence hat sich nach eigenen Angaben mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf eine Waffenruhe für den Nordosten Syriens verständigt. Die Türkei habe zugesichert, alle militärischen Aktionen für 120 Stunden zu unterbrechen, sagte Pence am Donnerstag in Ankara. Während der Waffenruhe könne die Kurden-Miliz YPG aus der Region abziehen. Der Militäreinsatz der Türkei werde enden, sobald die YPG komplett abgezogen ist.

In einer ersten Stellungnahme erklärte der kurdische Spitzenpolitiker Aldar Xelil, er begrüße einen Stopp der Kämpfe. Er warnte aber auch, die kurdischen Kämpfer würden sich verteidigen, falls sie angegriffen werden würden.

Vereinbarung nur für Grenzregion

"Wir werden alles tun, damit die Waffenruhe ein Erfolg wird", sagte der Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mazloum Kobani, Er betonte aber, dass die Vereinbarung nur für die Grenzregion zwischen Ras al-Ain (Kurdisch: Sere Kaniye) und Tal Abyad (Gire Spi) gelte. Die türkische Forderung nach einer 20 Meilen (32 Kilometer) breiten Schutzzone lehnten die Kurden bisher ab.

Die Kurden betonen, dass die Vereinbarung nur für die Grenzregion zwischen Ras al-Ain und Tal Abyad (Gire Spi) gilt.

Türkei soll IS bekämpfen

Pence fügte hinzu, dass sich die Türkei und die USA zusätzlich zu dem Abkommen über die Waffenruhe dazu verpflichtet hätten, die Aktivitäten der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) in Nordostsyrien zu bekämpfen. Dabei soll es auch um die Koordinierung von Maßnahmen zu Gefangenenlagern und zu Binnenflüchtlingen in vormals vom IS kontrollierten Gegenden gehen.

Präsident Trump freut sich.

Die Türkei will jenseits ihrer Südgrenze auf syrischem Territorium eine sogenannte Sicherheitszone errichten. Mit einem seit einer Woche dauernden Angriff will das türkische Militär die YPG aus dem Gebiet vertreiben.

Die Offensive werde nicht gestoppt, sondern "unterbrochen", erklärte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Sanktionen werden aufgehoben

Laut Pence will US-Präsident Donald Trump die gegen die Türkei wegen der Militäroffensive verhängten Sanktionen bei einer dauerhaften Waffenruhe in Nordsyrien wieder aufheben. Vorerst würden keine weiteren Strafmaßnahmen gegen die Türkei verhängt, sagte er.

Die US-türkische Übereinkunft.

Trump selbst verglich den Nordsyrien-Konflikt derweil bei einem Wahlkampfauftritt in Dallas im US-Bundesstaat Texas mit einem Gerangel unter Kindern: "Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen." Beide Seiten hätten mehrere Tage gekämpft: "Wie zwei Kinder (...), und dann zieht man sie auseinander." Auf Twitter schrieb er von einer ",tough' love", die manchmal notwendig sei, um zum Ziel zu kommen.

Die Türkei geht seit einer Woche gegen die von der YPG kontrollierte Autonomieregion im Nordosten Syriens vor, nachdem die USA den Abzug ihrer Truppen aus der Region verkündet hatte. Zuvor unterstützten die USA die kurdische Miliz, die ihr wiederum half, die Terrormiliz IS zu bekämpfen. Die Türkei sieht die YPG allerdings als Terrororganisation. Sie betrachtet die YPG als Bedrohung, weil sie mit den kurdischen PKK-Rebellen in der Türkei eng verbunden ist. (red, APA, Reuters, 17.10.2019)