Die Zelte im Flüchtlingslager am Rande der bosnischen Stadt Bihać sind nicht winterfest.

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Die bosnische Stadt Bihać ist seit mehr als zwei Jahren Anlaufpunkt für viele Migranten, die aus Griechenland oder Bulgarien kommend Richtung Mitteleuropa wollen. Diesen Sommer wurde ein Camp in der Nähe der Stadt eingerichtet, das aber von der Gemeinde Bihać selbst bezahlt wird und nicht unter der Leitung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR steht. Die Stadt will aber nun auch nicht mehr für die Kosten im Lager Vučjak aufkommen.

Der Bürgermeister von Bihać, Suhret Fazlic, drohte nun sogar damit, ab Montag kein Wasser und kein Essen mehr nach Vučjak zu liefern, wo sich zurzeit rund 2500 Migranten und Flüchtlinge befinden, viel zu viele für die wenigen Zelte. Das Essen wurde bisher vom bosnischen Roten Kreuz verteilt. Dem Bürgermeister geht es ums Geld. Die Stadt hat seinen Angaben zufolge bereits 100.000 Euro für das Camp bezahlt. Er will nun die höhergestellten Verwaltungseinheiten dazu zwingen, für die Finanzierung aufzukommen. Die EU hatte sich geweigert, Vučjak zu finanzieren, weil es nicht den Standards entspricht.

Demos angekündigt

Fazlic will nun die Lage eskalieren lassen, "um endlich Sarajevo zum Handeln zu bringen". Falls die Regierung auch dann nichts tun werde, werde es zu Demonstrationen vor dem bosnischen Parlament kommen, kündigte er an.

Fazlic verwies auch darauf, dass sich "90 Prozent der Flüchtlinge im Land, nämlich mehr als 6.000" in Bihać befänden. Tatsächlich gibt es andernorts Aufnahmezentren, doch die Migranten wollen nicht dorthin, weil sie von dort nicht versuchen können, über die Grenze zu kommen. Der Bürgermeister warnte auch, dass die humanitäre Situation angesichts des bevorstehenden Winters "alarmierend" sei.

In dem Lager Vučjak gibt es zwar große Flüchtlingszelte, die von türkischen Organisationen gespendet wurden, aber die sind keineswegs winterfest. Wenn es kalt wird, sind die Migranten und Flüchtlinge in Bihać zum Großteil in der Halle Bira untergebracht.

Rotes Kreuz warnt vor Eskalation

Auch das bosnische Rote Kreuz warnte nun vor einer Eskalation der Situation. "Wir können keine Verantwortung für Ereignisse im Lager übernehmen", sagte der Sprecher Selam Midžić. Wenn es kein Wasser mehr gäbe, würde es zu einem Aufruhr kommen, und die Migranten würden in die Stadt hinuntergehen. Das Rote Kreuz könne sie nicht mehr versorgen, weil "wir keine Unterstützung von Institutionen haben, weder von der Stadt, den Kantonen, den Landesteilen noch vom Staat", fügte Midžić hinzu.

Während der wärmeren Jahreszeit kommen tausende Menschen nach Bihać, es sind vor allem Pakistaner, die keine Chance haben, Asyl zu bekommen. Sie kommen zur kroatischen Grenze, weil sie versuchen, von dort aus im Wald irgendwie illegal nach Kroatien, also in die EU, zu kommen. Die Stadt ist mit der Situation seit vielen Monaten überfordert, auch weil viele Migranten in Parks campten und die Bevölkerung sich zunehmend über den Müll beschwerte.

Viele Migranten werden an der Grenze brutal von der kroatischen Polizei zurückgetrieben und geschlagen, ihnen werden ihre Mobiltelefone und oft auch die Schuhe weggenommen. (Adelheid Wölfl aus Sarajevo, 18.10.2019)