Der Erfolg der Facebook-Seite "H.-C. Strache" dürfte auch für Strache selbst maßgeblich sein, nicht zuletzt, wenn er tatsächlich, wie erst kürzlich spekuliert, eine eigene Liste gründen sollte.

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Die Seite vor ihrer Schließung.

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"H.-C. Strache" gibt es nicht mehr. Der offizielle Facebook-Auftritt des ehemaligen Vizekanzlers wurde, zumindest vorerst, von der FPÖ deaktiviert. Heinz-Christian Strache hatte im Vorfeld die Administratorenrechte von den Freiheitlichen verlangt, seinem Anwalt Ben Irle zufolge sei er "ausgesperrt" worden.

Dabei scheut sich Strache nicht, den Streit mit seinen ehemaligen Kollegen öffentlich zu führen. Der FPÖ hatte er über Irle ein Ultimatum gestellt: Entweder er erhält bis Freitag die Zugangsdaten – oder er würde vor Gericht ziehen. Eine Drohung, der die FPÖ nun zuvorkommt. Straches Reaktion darauf suggeriert neue politische Ambitionen: "Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Keine Sorge, ich komme nicht nur auf der Facebook-Fanseite wieder", schreibt er auf seinem privaten Facebook-Profil mit 51.000 Followern.

Die FPÖ hat zudem auch die Facebook-Seite von Heinz-Christians Frau Philippa Strache offline genommen. Sie hatte zuletzt rund 31.000 Fans.

Maßgeblich für Erfolg einer Liste Strache

So "überschätzt", wie sie FPÖ-Parteichef Norbert Hofer im Juni bezeichnete, dürfte die Seite aus Sicht der FPÖ wohl doch nicht sein: Falls Strache eine Rückkehr in die Politik plant, wäre der offizielle Auftritt kein unerhebliches Instrument, um potenzielle Wähler anzusprechen. Die Seite erreicht rund 786.000 Personen, jahrelang bot sie damit in der österreichischen Politik den reichweitenstärksten Social-Media-Auftritt, bis sie im Mai von Sebastian Kurz (803.000 Likes) überholt wurde. Zusätzlich bot sie während ihrer Laufbahn stets eine überdurchschnittlich erfolgreiche Interaktionsrate: User sahen, reagierten und kommentierten Beiträge im Schnitt öfter als bei politischen Gegnern. Dieser Erfolg dürfte auch fundamental für Strache sein, nicht zuletzt, wenn er tatsächlich, wie erst kürzlich spekuliert, eine eigene Liste gründen sollte.

Absage für FPÖ

Ursprünglich hatte die FPÖ gehofft, sich den Zugang zu dieser Reichweite selbst zu sichern – sie wollte sie mit dem offiziellen FPÖ-Auftritt, der rund 130.000 Likes zählt, fusionieren. Die Partei argumentiert, dass sie selbst maßgeblich an dem Erfolg der Seite beteiligt war – schließlich wird sie im Impressum als Urheber genannt. Der Auftritt wurde von mehreren Administratoren der Freiheitlichen verwaltet, auch kümmerten sich Funktionäre um die Moderation der nutzergenerierten Inhalte. Dennoch erfüllt das nicht Facebooks Vorgaben. Seiten dürften nur zusammengelegt werden, wenn sie einen ähnlichen Namen tragen und dasselbe Thema behandeln, das sei jedoch im vorliegenden Fall nicht so.

FPÖ kann mit "H.-C. Strache" nichts anfangen

Für die Freiheitlichen eine bittere Niederlage – und ein Verlust –, bedeutet dies doch, dass sie mit "H.-C. Strache" nichts mehr anfangen kann. Zwar steht ein Rechtsstreit bevor, jedoch könnten die Freiheitlichen selbst, wenn sie vor Gericht recht bekommen, keine Beiträge mehr veröffentlichen. Da die Seite den Namen von Strache trägt und Facebook auch nicht erlaubt, das zu ändern, kann der in Ungnade gefallene Ex-Parteichef erwirken, dass nichts in seinem Namen mehr gepostet werden darf.

Demnach ist eine Stilllegung für die FPÖ ein wichtiger Schritt, um Strache, sollte er wirklich in Zukunft als politischer Gegner auftreten, entscheidend zu schwächen. Gänzlich aus der Welt geschaffen ist die Seite damit aber nicht, denn sie kann auf der sozialen Plattform wiederhergestellt werden. Facebook bindet hierbei seine Nutzer jedoch an eine 14-tägige Frist. In der Regel wird eine Seite dann permanent entfernt.

Rechtsstreit steht bevor

Für Strache ist das freilich ärgerlich, da eine juristische Auseinandersetzung wohl weitaus mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Daher müsste der aufgrund von Korruptionsfantasien ausgeschiedene Politiker auf eine Ausnahme durch das Unternehmen hoffen. Unmöglich ist das nicht: In der Vergangenheit hat sich der Konzern gegenüber Business-Accounts ein wenig kulanter verhalten. Solche werden genutzt, um Werbung auf dem sozialen Netzwerk zu buchen. Das Business-Konto, welches für die Strache-Seite verwendet wurde, liegt in FPÖ-Hand. Über diesen Account müsste eine gesonderte Kontaktaufnahme erfolgen, bei der Facebook von Fall zu Fall entscheidet – ein Schritt, der erst nach einem Rechtsstreit getätigt werden kann.

In der Zwischenzeit dürfte aber weiterhin zwischen Strache und seiner Partei ein öffentlich ausgetragener Konflikt wüten. Vor allem digital hat sich der Ex-Freiheitliche bisher kein Blatt vor den Mund genommen. Auf seinem Profil hinterließ er in den vergangenen Tagen immer wieder Kommentare, die die Freiheitlichen attackierten. Beispielsweise bezeichnete er das Vorgehen gegen ihn als "DDR-Zensur" und rief stattdessen zu "1848er-Freiheit" auf. (Muzayen Al-Youssef, 19.10.2019)