Foto: Reuters / Lindsey Wasson

Washington/Chicago – Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat wegen möglicher Versäumnisse im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Zulassung des Krisenjets 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. FAA-Chef Steve Dickson forderte in einem von der Behörde veröffentlichten Brief an Boeing-Chef Dennis Muilenburg eine "sofortige Erklärung", warum ein "beunruhigendes Dokument" Aufsehern erst mit Monaten Verspätung vorgelegt wurde.

Einer Mitteilung der FAA zufolge geht es konkret um interne Nachrichten zweier Boeing-Mitarbeiter aus dem Jahr 2016, in denen ein bestimmter Informationsaustausch zwischen der Behörde und dem Flugzeugbauer zur ursprünglichen Zulassung beschrieben wird.

Interne Nachrichten

Demnach waren dem Flugzeugbauer die Probleme bei der 737 MAX bereits vor der Zulassung der Maschine bekannt, zumindest intern. Das erschließt sich aus Kurzbotschaften, die der technische Chefpilot der 737, Mark Forkner, an einen Kollegen schrieb und in denen er sich über die "ungeheuerliche" Fehlleistung des speziell für die Boeing 737 Max entwickelten Stabilisierungssystems MCAS bei Simulatortests beschwerte.

Forkner fügte hinzu, dass er unwissentlich gegenüber der Flugaufsichtsbehörde (FAA) gelogen habe. Sein Kollege schlug vor, die Anweisungen im Handbuch der Piloten entsprechend zu ändern.

Reuters / Brendan McDermid
Foto: Reuters / Brendan McDermid

Das Stabilisierungssystem MCAS gilt als hauptverantwortlich für zwei Abstürze von 737-Max-Maschinen, bei denen im Oktober 2018 in Indonesien und im März dieses Jahres in Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Abstürze sowie die Zulassung des Flugzeugtyps durch die FAA sind seitdem Gegenstand mehrerer Untersuchungen in den USA, darunter auch des Justizministeriums und des Kongresses.

Geheim gehalten

Boeing habe dieses Dokument schon vor Monaten aufgetrieben, jedoch erst am späten Donnerstag dem Verkehrsministerium vorgelegt, behauptet die FAA. Den Inhalt der Botschaften bezeichnete FAA-Chef Dickson in einem Schreiben an Boeing-Chef Muilenburg als beunruhigend. Gleichzeitig forderte er von Muilenburg eine "sofortige Erklärung" für die späte Offenlegung der Informationen.

Sowohl Boeing als auch die FAA stehen seit den 737-Max-Abstürzen schwer in der Kritik. US-Ermittler untersuchen, ob bei der Zulassung des Unglücksflugzeugs alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die FAA soll wesentliche Teile der Zertifizierung Boeing selbst überlassen haben. Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, ist derzeit unklar.

Ein Sprecher des Flugzeugbauers erklärte, die Dokumente seien am Freitag den mit den Untersuchungen befassten Kongressausschüssen übermittelt worden. Boeing kooperiere mit allen Ermittlungen und folge den Anweisungen der FAA und anderen Flugaufsichtsbehörden, damit das weltweite Flugverbot für die 373 Max wieder aufgehoben werden könne. Der Kurs der Boeing-Aktien gab zeitweise um 5,4 Prozent nach. (dpa, Reuters, 19.10.2019)