Die 81-jährige Jane Fonda lässt sich jeden Freitag in Washington festnehmen.

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Die beiden Festnahmen Jane Fondas an der Stiege zum Kapitol in Washington könnten eins zu eins aus "Grace and Frankie" stammen, jener genialen Netflix-Serie, in der Fonda neben Lily Tomlin seit 2015 Dampfwalzenqualitäten beweist: ein vom Leben abgehärtetes Energiebündel, das selbst mit 80 plus nichts aufhalten kann – schon gar keine Handschellen.

Dass Fonda vergangenen Freitag wieder trotz fehlender Genehmigung protestieren würde, war so sicher wie der nächste Martini in "Grace and Frankie": Wenn sie etwas will, ist sie hartnäckig. Immer schon gewesen.

Die kämpferischen Qualitäten liegen der 1937 geborenen New Yorkerin und Tochter Henry Fondas in den Genen. Einige davon hat sie vom berüchtigten Heinrich VIII. – so erzählt es die Familienlegende. Vielleicht war Fonda deshalb trotz ikonischer Rollen – etwa als Roger Vadims futuristische "Barbarella" oder in ihren Oscarrollen als Callgirl in "Klute" und als Reporterin in "Coming Home" – niemals nur Schauspielerin, sondern stets wendige und einsatzfreudige Verteidigerin ihrer und allgemeiner Interessen.

Politische Widerstandskraft erwarb sie erstmals 1970, indem sie sich auf eine Flugabwehrkanone setzte und damit kokett gegen den Vietnamkrieg protestierte, was ihr den schauerlichen Namen "Hanoi Jane" bescherte. Erstkontakt mit Handschellen hatte sie in ebendieser Zeit, weil sie eine größere Menge Tabletten bei sich bunkerte. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei allerdings um Vitaminpräparate. Ihr Widerstand im kernkraftkritischen Film "Das China-Syndrom" (1979) soll Edward Teller, dem "Vater der Wasserstoffbombe", einen Herzinfarkt beschert haben.

Gegen perfektionistische Erwartungen an sie als "Hollywood-Schönheit" warf sie sich mit Verve ins Zeug. Feminismus sah sie deshalb nicht unvereinbar mit Körperkult (Aerobic!), Bulimie und Faltenfreiheit durch Schönheitsoperationen.

All diese Erfahrungen – drei Ehemänner und Erwerb eines Vermögens nach der Scheidung von CNN-Chef Ted Turner gehören dazu – trugen zu ihrem Kultstatus bei, den sie heute genießt und zu nützen weiß.

Die Klimabewegung hat neben ihrem jungen Idol Greta Thunberg jedenfalls eines für die Alten. Dass es sich um zwei ziemlich coole Frauen handelt, macht zuversichtlich. Vielleicht wird es doch etwas mit der Rettung des Weltklimas. Jane Fonda jedenfalls wird gewiss nicht lockerlassen. (Doris Priesching, 20.10.2019)