In der Regierung gewünscht: Sebastian Kurz, Werner Kogler – möglicherweise ergänzt um Beate Meinl-Reisinger.

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Linz – "Alles in allem: Entwickelt sich Österreich in die richtige Richtung – oder ist das nicht der Fall?"

Diese Frage stellte das Linzer Market-Institut in der Vorwoche 802 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten – und bekam eine klar positive Antwort: 43 Prozent meinen, dass sich das Land richtig entwickle, das sind acht Prozentpunkte mehr als kurz vor der Nationalratswahl im September. Heute sagen 35 Prozent, dass sich das Land nicht in die richtige Richtung entwickle, das Verhältnis hat sich also umgedreht (22 Prozent konnten sich nicht entscheiden).

Besonders positiv sehen die Entwicklung die Wähler der ÖVP, besonders negativ eingestellt sind FPÖ- und SPÖ-Anhänger – und die Bewohner Wiens.

DER STANDARD ließ weiter fragen, wie sehr die Wahlberechtigten mit dem Wahlergebnis zufrieden sind – 15 Prozent sind das sehr, 43 Prozent überwiegend – und ob sich das Ergebnis positiv auf die Zukunft Österreichs auswirken wird. Darauf sagten 39 Prozent, dass das Ergebnis positiv sei – nur 26 Prozent sehen negative Auswirkungen (23 Prozent erwarten kaum Auswirkungen, zwölf Prozent gaben keine Antwort). Frauen sehen das Wahlergebnis deutlich positiver als Männer – und wieder sind es die Freiheitlichen, die zu 79 Prozent negative Folgen erwarten.

Immerhin: Das Wahlergebnis hat im Wesentlichen den Umfragen vor der Wahl entsprochen – und auf die Frage, ob man in Kenntnis des Ergebnisses (das man ja ahnen konnte) anders gewählt hätte, kommt nur von vier Prozent Zustimmung. Und diese vier Prozent hätten am ehesten die Grünen oder die FPÖ stärken wollen – aber das ist statistisch kaum verlässlich zu beantworten.

Kurz soll Kanzler werden

Verlässlich ist aber die Aussage, dass die Österreicherinnen und Österreicher die ÖVP als klaren Wahlsieger sehen (56 Prozent) und Kurz zum Bundeskanzler wollen (je nach Fragestellung 48 bis 51 Prozent).

Umgekehrt raten 29 Prozent der SPÖ explizit, sie solle in Opposition gehen. Anders gefragt, nämlich ob die SPÖ "mit Ministern in der Regierung vertreten" sein soll, sagen sogar 54 Prozent, dass die SPÖ eben keine Minister stellen soll. Nur sozialdemokratische Wähler sagen mehrheitlich, dass ihre Partei mitregieren sollte. Zum Vergleich: Market hatte dieselbe Frage bereits nach der Wahl 2017 gestellt – damals hielten sich Zustimmung und Ablehnung einer roten Regierungsbeteiligung noch die Waage.

Noch stärker ist die Ablehnung einer FPÖ-Regierungsbeteiligung – 68 Prozent sind dagegen.

Gedrehte Stimmung

Für die Grünen hat sich die Stimmung völlig gedreht: Das wird ihnen in einer entsprechenden Frage bestätigt – und ihnen wünschen auch 63 Prozent, dass sie in der Regierung vertreten sein sollten (27 Prozent sind dagegen).

Weiter im Fragebogen: "In den letzten Tagen wird vielfach über eine mögliche Koalition zwischen der ÖVP und den Grünen auf Bundesebene spekuliert; aus Ihrer Sicht: Wäre eine Koalition aus ÖVP und Grünen positiv oder negativ für Österreich?" Darauf sagten 53 Prozent, eine türkis-grüne Koalition wäre positiv für Österreich. Nur 27 Prozent (überdurchschnittlich viele Männer und Menschen mit geringer Bildung) glauben, dass so eine Koalition schädlich wäre.

DER STANDARD ließ weiter fragen: "Haben Sie den Eindruck, dass die Grünen derzeit regierungsfähig sind oder nicht?" Dem stimmen 54 Prozent zu – 32 Prozent melden Zweifel an. Ganz ähnliche Ergebnisse gibt es für die Neos, diese halten 56 Prozent für regierungsfähig, 30 Prozent bestreiten das. Immerhin 45 Prozent wünschen sich, dass die Neos auch in der Regierung vertreten sind. 47 Prozent wünschen sich jedenfalls eine "Zusammenarbeit" einer von ÖVP und Grünen gebildeten Regierung mit den Neos.

Kurz hat die besseren Karten

Market-Institutsleiter David Pfarrhofer erklärt dazu: "Eine Mehrheit hält die Grünen ebenso wie die Neos für regierungsfähig – deutlich eher als die SPÖ. Aber man sieht auch, dass in Koalitionsverhandlungen Sebastian Kurz die besseren Karten in der Hand hat. Das sagen gut zwei Drittel – nur 17 Prozent glauben, dass Werner Kogler im Koalitionspoker das bessere Blatt hätte."

Im Raum steht ja auch, dass die ÖVP sich nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit Grünen wieder dem früheren Partner FPÖ zuwenden könnte. Das käme allerdings gar nicht gut an. 60 Prozent sagen, dass eine Regierung aus ÖVP und Grünen besser für Österreich wäre als eine ÖVP-FPÖ-Regierung.

Minderheitsregierung gefiele nicht einmal VP-Wählern

Und wenn das alles nicht klappt?

Market fragte: "Wenn die ÖVP keinen Koalitionspartner findet, gäbe es auch die Möglichkeit einer ÖVP-Minderheitsregierung: Die ÖVP müsste sich für neue Gesetze immer einen Partner suchen, der das Gesetz dann mitträgt. Mit einem Misstrauensantrag kann die Minderheitsregierung relativ rasch abgewählt werden und Neuwahlen wären die Folge. Was halten Sie von einer derartigen Minderheitsregierung?" Darauf sagten 21 Prozent, dass sie eine auf wackeligem parlamentarischen Boden stehende Regierung Kurz für eine gute Alternative hielten – 66 Prozent lehnen das ab. Die ÖVP-Wähler weichen in diesem Punkt nicht vom Bevölkerungsschnitt ab. (21.10.2019)