In Rom können Fahrgäste seit diesem Sommer ihre Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel mit Plastikflaschen bezahlen. Dazu stecken die Passagiere die leeren Flaschen in einen Automaten, via App bekommen sie dann ein Guthaben, mit dem sie schließlich die U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen in der Stadt nützen können.

Für jede eingeworfene Flasche erhält man beim System "Ricicli +Viaggi" (recycle und reise) fünf Cent. Für eine einfache Fahrt, die sonst 1,50 Euro kostet, muss man also 30 Plastikflaschen einwerfen. Die römischen Verkehrsbetriebe Atac starteten im Juli mit drei Automaten in U-Bahn-Stationen, vor denen sich seitdem regelmäßig Menschenschlangen bilden. In Kürze sollen weitere Stationen mit den Maschinen ausgestattet werden.

Für 30 Plastikflaschen gibt es eine Fahrkarte im Wert von 1,50 Euro.
Foto: Reuters/Remo Casilli

350.000 Flaschen

Innerhalb von sechs Wochen wurden bereits 350.000 Flaschen eingesammelt, die Römerinnen und Römer "verdienten" sich dadurch 11.600 Tickets, wie Bürgermeisterin Virginia Raggi auf Facebook mitteilte.

Mit der Aktion reagiert die italienische Hauptstadt auf ein akutes Müllproblem: In Roms Straßen türmen sich teils meterhohe Müllberge. Der Gestank lockt immer mehr Insekten, Ratten, Möwen und sogar Wildschweine an. Ärzte warnten im Sommer bereits vor den hygienischen Zuständen, die eine ernste Gefahr für die Menschen in Rom darstellen würden.

Rom hat ein Müllproblem.
Foto: APA/AFP/TIZIANA FABI

In der Drei-Millionen-Metropole gibt es keine einzige Müllverbrennungsanlage. Bis 2013 wurde der Müll aus der Hauptstadt auf einer Deponie am Stadtrand entsorgt, die aber nicht europäischen UmweltStandards entsprach und deshalb geschlossen werden musste. Eine große Müllsortierungsanlage in Rom ist zudem vergangenes Jahr in Flammen aufgegangen.

Raggi, die der Protestbewegung Fünf Sterne angehört, will das Entsorgungsproblem ohne neue Müllverbrennungsanlagen lösen und setzt stattdessen auf Mülltrennung und -vermeidung – bislang ohne Erfolg. Nun will Rom seinen Müll nach Schweden exportieren.

Weltweit werden etwa eine Million Plastikflaschen pro Minute verkauft. Obwohl sich PET, das Material, aus dem die Flaschen bestehen, leicht recyceln lässt, wird nur weniger als die Hälfte der produzierten Flaschen wiederverwertet.

Tickets für Kniebeugen

Immer wieder kommen Städte auf kreative Ideen, um ihre Bewohner zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs zu motivieren und gleichzeitig auf andere Probleme aufmerksam zu machen. In Mexiko-Stadt stellten die Verkehrsbetriebe 2015 etwa "Health Stations" auf, an denen Mexikaner sich für zehn Kniebeugen ein Ticket erschwitzen konnten. Mexiko ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil an übergewichtigen Menschen. Das Konzept setzte sich aber nicht durch.

Berlin wollte dieses Jahr auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam machen und bot am Equal Pay Day ein "Frauenticket" an. Im Vergleich zu normalen Fahrscheinen waren die Frauentickets um 21 Prozent ermäßigt, was der Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern entspricht. Das Geschlecht musste per Kamera identifiziert werden, bei Männern spuckte der Automat eine Fehlermeldung aus. (pp, 22.10.2019)