Michael O'Leary will, dass in Wien endlich etwas weitergeht.

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Wien – Laudamotion hat einen neuen Betriebsrat. Dieser hat sich diesen Montag konstituiert. Neue Betriebsratsvorsitzende ist Kerstin Hager, die auch schon dem vorigen Betriebsrat, der im August geschlossen zurückgetreten ist, angehört hat. Die Betriebsratswahl verlief laut Gewerkschaft Vida nicht ohne Friktionen, denn Hager wurde während ihrer aktiven Zeit als Betriebsrätin gekündigt. Die Gewerkschaft hat auf Wiedereinstellung geklagt, das Verfahren läuft. Ob Laudamotion Einspruch erheben werde, sei noch offen, heißt es auf STANDARD-Anfrage.

Auch an anderer Front wird es ernst. Vor Monaten schon wurde bekannt, dass die ab November nach Wien kommenden neuen Flugzeuge mit Personal beschickt werden, die keine Verträge mit Laudamotion angeboten bekommen. Die große Expansion – Ryanair will bis zum kommenden Jahr seine Flotte von derzeit acht auf 16 Flugzeuge verdoppeln – soll mit Crews auf Basis von Leihverträgen erfolgen. Sämtliche neu eingestellten Piloten und Flugbegleiter werden also nicht mehr direkt bei Lauda angestellt.

Zurück in die Vergangenheit

Für einen Teil der Belegschaft heißt es also gewissermaßen zurück in die Vergangenheit, denn bereits Niki Lauda hat einst sein Personal auf Leiharbeitsbasis eingestellt. Die ersten Verträge kursieren bereits, abgeschlossen mit der irischen Ryanair-Tochter Crewlink beziehungsweise mit deren Österreich-Ableger. Was das darin etwa für Flubegleiter vorgesehene Salär betrifft, soll dieses demnach mager aussehen: Anstelle der bisher üblichen 21.000 Euro Jahresgehalt für Einsteiger käme ein Flugbegleiter auf 15.000 "all in" – das wären 1.100 Euro monatlich brutto oder rund 960 Euro netto.

Bei der Gewerkschaft Vida prüfe die Rechtsabteilung nun, ob diese Verträge juristisch korrekt sind, denn die Österreich-Tochter sei noch gar nicht im Firmenbuch eingetragen, sagt Vida-Mann Philip Gastinger. Bei Laudamotion wiederum heißt es auf Anfrage, das sei ohnehin nur eine Übergangslösung. Die Österreich-Tochter solle so schnell wie möglich aktiv werden. Und: Von einem Gehalt von 15.000 netto könne gar nicht die Rede sein. Der einzige Unterschied zu den Laudamotion-Verträgen sei, dass die Verträge mit Crewlink befristet seien. Derzeit auf sechs Monate, künftig auf 18 Monate.

Europaweit zum jeweiligen Recht

Die Gewerkschaft überzeugt das nicht. Philip Gastinger sagt, dass die neuen Verträge es ermöglichen würden, das Bordpersonal europaweit zu den jeweiligen Standards im jeweiligen Land einzusetzen. Das stimme nicht, heißt es bei Laudamotion. Das Dienstverhältnis unterliege weder dem irischen noch einem sonstigen anderen Recht, sondern unverändert dem österreichischen Recht und dem Laudamotion-Kollektivvertrag – jetzt und auch künftig.

Mehrere Klauseln hält die Gewerkschaft Vida für unzulässig und sittenwidrig, wie sie am Dienstag ergänzt. Eine kleine Auswahl: Bei dem angegebenen Gehalt – auf Monatsbasis sind es umgerechnet 1.130,63 Euro brutto – würde eine gesetzeskonforme "All-In"-Widmung fehlen. Es bleibe unklar, worin das Grund- und worin das All-In-Gehalt (Überzahlung) bestehe. Damit sei nicht überprüfbar, ob die geleisteten Überstunden tatsächlich im Gehalt "abgedeckt" sind, so die Gewerkschaft.

Der Umstand, dass in den Verträgen kein Dienstort vereinbart sei, das heißt, die Mitarbeiter auf jede andere Ryanair-Basis versetzt werden können, stößt der Gewerkschaft ebenfalls sauer auf. Sie hält solche "völlig offene, undefinierte Versetzungsvorbehalte" für "sittenwidrig". Auch "jene Klausel im Vertrag, die auf eine Wahl des Arztes durch den Arbeitgeber im Falle des Krankenstandes abzielt, ist sittenwidrig", so die Gewerkschaft – ebenso die Bestimmungen zu Urlaub und Arbeitszeit. Auch "verdachtsunabhängige Alkohol- und Drogentests oder Taschenkontrollen" seien ohne Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat "unzulässig".

Ineffiziente Crews

Auch die "Ineffizienz der Crews" bei Laudamotion bleibt weiterhin ein Thema. Die Mitarbeiter der Ryanair-Tochter bekamen das im heurigen Jahr schon des Öfteren zu hören. Laudamotion, so lautet der Tenor, hänge am Tropf der Mutter, und das nicht zu gering: Dabei lautet das Ziel, das Ryanair-Chef Michael O'Leary Ende September in Wien ausgegeben hat, den heimischen Platzhirsch AUA in fünf Jahren zu überholen.

Vergangene Woche erging an die Crew ein neues Schreiben im bekannten Stil: Verlust von 150 Millionen im vergangenen Jahr, 50 Millionen Miese, die heuer zu erwarten seien. Jetzt, so Ryanair-Personalchef Robert Wall, Absender des Briefleins, gelte es die Schlagzahl in Sachen Effizienz kräftig zu erhöhen. Deswegen gebe es eine strengere Policy in Sachen Bereitschaftsdienste und Krankenstände. Wer im Dienstplan als "Stand-by" eingetragen sei, hätte auch zur Verfügung zu stehen und müsse telefonisch erreichbar sein. Allzu häufig trete für die Airline der unangenehme Umstand ein, dass Flüge verspätet seien oder gar abgesagt werden müssten, weil die Crew nicht erreichbar sei. Für eine Airline, die Verlust schreibe, sei das kein haltbarer Zustand. (Regina Bruckner, 21.10.2019)

Anmerkung: Dieser Artikel wurde um konkrete Kritikpunkte der Gewerkschaft Vida ergänzt.