Das Kupferbergwerk Chuquicamata ist bisher nicht von den Streiks betroffen.

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Kundgebung in Valparaíso am Dienstag.

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In Concepción nahm das Militär Demonstranten fest.

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Trotz Präsident Sebastián Piñeras Zusagen, die Mindestpension um 20 Prozent anzuheben und die Strompreise einzufrieren, weiten sich die Proteste in Chile aus. Am Mittwoch schloss sich die einflussreiche Bergarbeitergewerkschaft FTC den Protesten an, das Kupferbergwerk Andina und die Schmelze Ventanas des staatlichen Konzerns Codelco mussten den Betrieb einstellen. Am Mittwochabend setzten die Arbeiter ihren Streik aus – nach einer Einigung mit der Regierung.

Auch Studentenorganisationen, Spitalspersonal und Lehrer wollten am Mittwoch streiken, viele Schulen blieben geschlossen. Piñera hatte am späten Dienstagabend die Hoffnung geäußert, aus den Protesten, bei denen bereits 5.000 Menschen verhaftet wurden, eine "Gelegenheit für Chile" zu machen. Er beschuldigte seine Amtsvorgänger, die soziale Ungerechtigkeit in Lateinamerikas wirtschaftsstärkstem Land viel zu lange ignoriert zu haben.

Vorwürfe gegen Amtsvorgänger

"Die Probleme haben sich über Jahrzehnte angehäuft, wir in den Regierungen waren nicht fähig, sie zu erkennen", sagte Piñera und bat seine Landsleute hierfür um Entschuldigung. Er versprach eine Anhebung der Mindestpension und des Mindestlohns sowie niedrigere Medikamentenpreise, höhere Steuern für Spitzenverdiener und eine Senkung der Gehälter von Angeordneten und hohen Beamten.

Noch am Montag hatte der Milliardär Piñera erklärt, der Staat befände sich "im Krieg" mit gewalttätigen Demonstranten. Dass der Präsident angesichts der Unruhen einen Armeeinsatz anordnete, weckt bei vielen Chilenen Erinnerungen an dunkle Zeiten: Es ist das erste Mal seit dem Ende der Diktatur unter General Augusto Pinochet 1990, dass in der chilenischen Hauptstadt das Militär patrouilliert. Bei den Unruhen kamen seit Freitag mindestens 18 Menschen um, zuletzt starb ein Kind.

Videobilder vom vergangenen Wochenende zeigen das Ausmaß der Eskalation.
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Ein in der Nacht auf Mittwoch aufgenommenes Video zeigt, wie Uniformierte die kommunistischen Studentenführer Valentina Miranda und Pablo Ferrada in der Nacht aus ihrer Wohnung holten.

Papst Franziskus rief am Mittwoch bei der Generalaudienz am Petersplatz in Rom zu einem Ende der Gewalt in Chile auf. "Ich verfolge mit Sorge, was in Chile passiert", sagte der aus Argentinien stammende Pontifex. "Ich hoffe, dass die gewalttätigen Demonstrationen ein Ende finden und dass man durch einen Dialog Lösungen für die Krise findet. Die Schwierigkeiten, die zur Krise geführt haben, müssen zum Wohl der ganzen Bevölkerung gelöst werden." (bed, APA, dpa, 23.10.2019)