Je weniger Rohstahl ein Betreiber zu Stahlprodukten verarbeitet, desto stärker sind Stahlkocher von der Flaute in der Autoindustrie betroffen.

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Essen – Die Situation in der europäischen Stahlindustrie wird langsam ungemütlich. Die sinkende Industrieproduktion in Deutschland bedroht längst auch Arbeitsplätze in der Stahlindustrie. Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung rechnet aufgrund der schwachen Konjunktur in seinem "Stahlbericht" mit dem Abbau von rund 1.500 der 90.000 Stellen in der Stahlproduktion.

Bisher hätten die Stahlproduzenten einen Beschäftigungsabbau noch durch kürzere Arbeitszeiten und die Hinnahme eines Produktivitätsrückgangs vermeiden können, heißt es in der Studie. Doch seien hier anscheinend die Grenzen des Möglichen erreicht. "Da die Stahlkonjunktur wohl ein weiteres Jahr schwach bleiben wird, werden die Unternehmen nicht um Beschäftigungsanpassungen herumkommen", prognostizierte der RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn.

Das Korsett aus steigenden Erzpreisen und sinkenden Stahlpreisen wird immer enger, wobei steigende Erzpreise in der Branche vor allem auf China zurückgeführt werden. Die Chinesen hätten die Produktion unnatürlich hochgefahren, Märkte würden bereits geflutet, das sehe man an verfallenden Preisen.

Rückgang im Rohstahl

Insgesamt dürfte die Rohstahlerzeugung in Deutschland dem "Stahlbericht" zufolge in diesem Jahr um 5,6 Prozent niedriger ausfallen als 2018. Hauptgrund dafür sei, dass die Nachfrage der industriellen Stahlverwender wegen der Industrierezession voraussichtlich um knapp fünf Prozent oder rund 1,8 Millionen Tonnen geringer ausfallen werde. Stützend wirke allein noch die gute Baukonjunktur.

Auch für das kommende Jahr ist der Bericht nicht sonderlich optimistisch. Die Walz- und Rohstahlerzeugung werde voraussichtlich auf dem Niveau von 2019 stagnieren. Auch die Kapazitätsauslastung werde auf dem im längerfristigen Vergleich niedrigen Niveau von rund 81 Prozent verharren.

Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl lag die Rohstahlerzeugung in der Bundesrepublik im September mit knapp 3,4 Millionen Tonnen noch einmal um vier Prozent unter dem Vorjahresmonat. Bei warmgewalzten Stahlerzeugnissen verringerte sich die Produktion sogar um 10,7 Prozent auf 2,8 Millionen Tonnen. (dpa, 24.10.2019)