Len Kleinrock und sein Team übermittelten am 29. Oktober 1969 erstmals eine Nachricht über ein Netzwerk, das später zum Internet werden sollte.

Foto: UCLA Samueli School of Engineering

Wann das Internet genau Geburtstag feiert, ist Auslegungssache. Es gibt mehrere mögliche Termine. Da wäre etwa der 30. August 1969, als der erste Knoten des sogenannten Arpanet an der Universität von Los Angeles (UCLA) in Betrieb genommen wurde. Dann gibt es den 2. September, an dem bei einem ersten Test zwei Computer an der UCLA unter der Leitung von Leonard Kleinrock miteinander verbunden und darüber (zunächst bedeutungslose) Daten verschickt wurden. Und es gibt den 29. Oktober. An diesem Tag im Jahr 1969 wurden erstmals Daten zwischen zwei entfernten Universitätsstandorten übertragen.

Absturz beim Wort "logon"

Ausfälle gab es von Anfang an. Beim Versuch das Wort "logon" zwischen der UCLA und dem Stanford Research Institute in Menlo Park zu übertragen, brach das Netz schon nach den ersten zwei Buchstaben zusammen. Im Rahmen einer Online-Veranstaltung des Hasso Plattner Instituts (HPI) erinnert sich Vint Cerf, der dank seiner Entwicklung des TCP/IP-Protokolls heute als einer der "Väter des Internets" gilt, an den Tag. Bis spät in die Nacht hinein habe man damals versucht, die Verbindung aufzubauen. Letztendlich habe man nach einer Reparatur doch noch demonstrieren können, dass die Übertragung in dem aus zwei Knotenpunkten bestehenden Netzwerk funktioniert. Verbunden waren die Computer damals über sogenannte Interface Message Processors, heute Packet Switches oder Router genannt.

Von diesen zwei Computern aus entwickelte sich das Internet in den vergangenen 50 Jahren zu einem Netzwerk, das sämtliche Lebensbereiche nachhaltig verändert hat. Dabei wurde das Netz nicht als ziviles System gestartet. Es war eigentlich ein militärisches Projekt der staatlichen Advanced Research Projects Agency (Arpa), die damit die technologische Vorherrschaft der USA über die Sowjetunion sicherstellen wollte. Mit dem Netzwerk sollten ursprünglich nur einige Universitäten, die im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums forschten, miteinander verbunden werden.

Leonard Kleinrock posiert anlässlich des Jubiläums vor dem ersten Interface Message Processor.
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E-Mail und WWW kamen später

Das Internet, wie wir es heute kennen, entwickelte sich erst in den Jahrzehnten darauf. 1970 wurde das Arpanet bis zur Ostküste der USA ausgeweitet. 1972 wurde eine erste "Killer-Anwendung" des Internets von Ray Tomlinson geschaffen – die E-Mail. Ein Jahr später gingen die ersten internationalen Knoten in England und Norwegen ans Netz. Die TCP/IP-Kommunikationstechnik (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) wurde von Vint Cerf und Bob Kahn erst 1974 entwickelt und im Arpanet 1983 übernommen. Daher gilt auch der 1. Jänner 1983 für manche als Geburtsstunde des heutigen Internets. Das System der Domainnamen mit .com, .gov und .edu wurde ebenfalls 1983 vorgeschlagen. Das World Wide Web, also über das Internet abrufbare Hypertext-Dokumente, entstand erst ab 1989 als Entwicklung von Tim Berners-Lee am Genfer Forschungszentrum Cern.

In Österreich wurde die erste Internet-Standleitung im August 1990 in Betrieb genommen. Von Peter Rastl, der als Chef des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien eine Verbindung zum Cern aufbaute – mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 64 Kilobit pro Sekunde. Der erste kommerzielle Internet-Provider in Österreich startete im April 1992 mit EUnet.

Wir heute als einer der Väter des Internets gefeiert – Vint Cerf, hier bei einer Gala im Mai 2019.
Foto: Christopher Smith/Invision/AP
Meilensteine der Internet- und Web-Entwicklung der letzten 50 Jahre.
Foto: Nic.at

Hälfte der Weltbevölkerung online

Schätzungen zufolge gibt es mittlerweile über 3,8 Milliarden Internetnutzer weltweit (Stand 2018). Das ist gut die Hälfte der Weltbevölkerung, die über das Internet arbeitet, kommuniziert, einkauft, sich weiterbildet und ihre Freizeit mit Filmen, Musik oder Games aus dem Netz verbringt. Gleichzeitig ist die andere Hälfte der Bevölkerung von diesen Möglichkeiten noch abgeschnitten. Bemühungen, wie man das Internet weiter ausbauen kann, gibt es mehrere. Vint Cerf sieht ein weltumspannenden Netz von Satelliten, das sich letztendlich auch in den interplanetaren Raum ausbreitet. "Die mögliche Zukunft des Internets besteht darin, dass wir damit das Sonnensystem erkunden, das uns umgibt", so Cerf. (Birgit Riegler, 29.10.2019)