Der Amiga setzte sich gegen Atari ST in Österreich durch, da die Spiele waren besser.

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Hach ja, damals ... als man noch aufsprang, um den Lieblingssong im Radio mitzuschneiden; als mit selbst zusammengestellten Mixtapes noch Herzen erobert wurden; als der Bandsalat mit Bleistift und Geduld noch mal gebändigt werden konnte. Wer in den 80er oder 90er-Jahren aufgewachsen ist, der kommt in Erinnerung an die Musikkassette oft ins Schwärmen. Andere werden nostalgisch, wenn sie an die erste Spielekonsole von Nintendo denken, die alten Party-Bilder aus der Sofortbild-Kamera oder an ihre Heimcomputer der Marken Commodore oder Atari.

Letztere haben noch immer eine beachtliche Fangemeinde. Dafür sorgen auch Software-Emulatoren, mit deren Hilfe alte Systeme und Programme auf modernen Betriebssystemen genutzt werden können. Derzeit verschenkt der Heise-Verlag den kommerziellen Commodore Amiga-Emulator "Amiga Forever 8 Value Edition" mit einigen Spielen. Eine Promotion für die neueste Ausgabe des ct-Retro-Heftes.

16-Bit Revolution

Am 23. Juli 1985 feierte der Commodore Amiga 1000 Weltpremiere in New York. Ein schneller 16-Bit-Prozessor des Typs Motorola 68000 arbeitet als technisches Herz. Mit seinen Grafik- und Tonfähigkeiten übertrumpfte der Amiga seinen Vorgänger C64 und vor allem zahlreiche PCs. Diese waren Ende der 80er Jahre meist noch reine Bürocomputer für Textverarbeitung oder Abrechnung. Die Animation beschränkte sich auf das Blinken des Cursors.

Bei professionellen Anwendern in Werbeagenturen und Druckereien konnte sich der Amiga 1000 aber nie richtig durchsetzen. Hier hatten häufig Atari ST oder Apple die Nase vorn. Mit den neuen Modellen Amiga 500 und Amiga 2000 legte Commodore nach. Der Amiga 500 löste bei vielen Fans von Spielen den C64 ab.

Commodore feuert Gründer

Der Erzfeind des Amiga war aber der Atari ST, der ebenfalls 1985 auf den Markt kam und mit ähnlicher Technik, wie dem Motorola 68000 Prozessor, aufwarten konnte. Dazu kam, dass er von Jack Tramiel ins Rennen geschickt wurde, dem Gründer von Commodore. Als Tramiel mit seiner hemdsärmeligen Art in dem inzwischen börsennotierten Unternehmen einen seiner Söhne im Top-Management platzieren wollte, wurde er 1984 von den Aufsichtsgremien aus seinem Unternehmen gedrängt.

Mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Commodore-Aktien stieg er dann beim angeschlagenen Konsolen-Hersteller Atari ein und ließ dort unter dem Management seinen Sohnes Sam Tramiel den Atari ST konstruieren – die Rache an Commodore.

Kein Scrolling

Allerdings konnte er bei vielen Spielen nicht mit dem Amiga mithalten. In Sachen grafischer Darstellung und Sound war der Amiga einfach weiter. So gab es in den ersten Jahren Jump 'n' Run-Spiele ohne Scrolling. Im Laufe der Zeit holten findige Programmierer immer mehr aus dem Gerät heraus, aber der Amiga war einfach uneinholbar. Dafür war der Atari billiger zu haben.

Der Atari ST
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Obwohl oder gerade weil sich Amiga und Atari ST ähnlich waren, beiden hatten ja den gleichen Prozessor, führten der Nutzer Glaubenskriege, die an emotionelle Diskussionen zwischen jugendlichen Android- und iPhone-Nutzern erinnern. Die Besitzer der Rechner identifizierten sich mit ihren Geräten, wie es heute kaum mehr vorstellbar ist.

Meist stellte sich die Atari ST-Community als "Anti Amiga"-Gruppe dar, währen sich Amiga-Nutzer über technische Unzulänglichkeiten lustig machten.

Spiele entschieden den Wettstreit

Tatsächlich wurde der Wettstreit über die Spiele entschieden. Und da hatte der Atari keine Chance, er bleib in Österreich ein Außenseiter. Auch kam man einfacher an Amiga-Games .

Entweder man tauschte Disketten in der Schule oder kaufte sie zu Billigpreisen bei windigen "Händlern", die ihr Angebot mittels Kleininseraten in Zeitschriften bewarben. "Originale"-Spiele konnten bei Elektroketten oder kleinen Softwareläden erstanden werden. Atari-Games war hingegen schwerer zu bekommen.

Video zeigt Amiga und Atari Games
NX Gamer

Wie stark die Geräte verbreitet waren, zeigt ein Blick auf willhaben. Dort werden ständig Amiga und Atari ST-Homecomputer angeboten. Ein Amiga, mit Spielen und zusätzlicher Hardware, kostet derzeit rund 300 Euro. Ataris gibt es ab 200 Euro. (sum, 27.10.2019)