Die neuen oder auch wiedergewählten Abgeordneten nahmen bei der konstituierenden Sitzung am 23. Oktober erstmals ihre Plätze im Nationalrat im Übergangsquartier in der Hofburg ein. Ein Blick auf die soziodemografische Zusammensetzung zeigt, dass der Nationalrat nicht überall ein Abbild der Bevölkerung darstellt. In Bezug auf den Anteil weiblicher Abgeordneter nähern sich die Zahlen jedoch dem tatsächlichen Verhältnis – 51 Prozent Frauen, 49 Prozent Männer – in der Bevölkerung immer mehr an. Noch nie waren 72 der 183 Abgeordneten weiblich – das entspricht 39,3 Prozent –, und dieser Anstieg setzt sich nun bereits zum dritten Mal in Folge fort.

Quelle: Inter-Parliamentary Union. Die Werte zeigen den Anteil an Frauen und Männern in der ersten (beziehungsweise einzigen) Kammer des jeweiligen Parlaments (Stand: 1. September 2019 plus aktuelle Zahlen aus Österreich). Grafik: Katrin Praprotnik

Mit dem gestiegenen Frauenanteil im österreichischen Nationalrat wandert Österreich auch im entsprechenden Ranking der EU-Staaten nach oben und belegt nunmehr den siebten Platz in der Europäischen Union. Spitzenreiter bleiben Spanien, Schweden und Finnland mit je rund 47 Prozent. In diesen Ländern entspricht die Verteilung der Mandate auf Frauen und Männer ungefähr der Verteilung in der Bevölkerung. Schlusslichter der Tabelle sind die Slowakei (20 Prozent), Zypern (18 Prozent) und Ungarn (13 Prozent). Der Anteil weiblicher Abgeordneter variiert damit auch innerhalb der Europäischen Union stark.

Die Wege zu einem hohen Frauenanteil sind unterschiedlich. In Spanien gibt es eine Frauenquote bei den Kandidatenlisten. Diese müssen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern aufweisen, wobei der Anteil an weiblichen beziehungsweise männlichen Kandidaten nicht unter 40 Prozent fallen darf. In Schweden gibt es nur freiwillige Frauenquoten, wobei viele Parteien in ihren Parteistatuten eine gleiche Repräsentation von Frauen und Männern auf ihren Kandidatenlisten vorsehen. In Finnland wiederum wird der hohe Anteil an Frauen ohne Quote erreicht. Bei den Schlusslichtern Ungarn, Zypern und der Slowakei gibt es die Möglichkeit, freiwillige Quoten in den Parteistatuten zu verankern. Eine Auswirkung auf den Frauenanteil hatte das bislang nicht.

Die Grünen haben von allen neuen Nationalratsfraktionen mit 58 Prozent den höchsten Frauenanteil.
Foto: APA/ROBERT JAEGER

In Österreich gibt es ebenfalls keine gesetzlichen Quoten, sondern nur freiwillige Regelungen in den Parteistatuten. Neu ist allerdings, dass die Klubförderung ab einem Frauenanteil von über 40 Prozent erhöht wird.

Im Europäischen Parlament liegt der Anteil weiblicher Abgeordneter übrigens bei 40,4 Prozent – ebenfalls ein historischer Höchststand. Bei der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments 1979 waren gerade einmal 15 Prozent der Abgeordneten Frauen. Eine einheitliche Frauenquote gibt es bei der Wahl zum Europäischen Parlament nicht. Bei der Wahl im vergangenen Mai setzten 11 der 28 Mitgliedstaaten auf eine solche Vorgabe. (Karin Prapotnik, 26.10.2019)