Nicht alle Kollegen sind traurig, dass Kriminalrätin Eva Maria Prohacek in Pension geht. Ihr Chef Claus Reiter kann es nicht erwarten, die "oide Kachl" endlich los zu sein. "Verschwinde aus meinem Büro, du bist keine Polizistin mehr", viel deutlicher kann man nicht werden. 17 Jahre lang ermittelte Senta Berger (78) in der ZDF-Krimireihe Unter Verdacht in München.

In 30 Folgen machte ihr Gerd Anthoff als korrupter Vorgesetzter Reiter das Leben schwer, behinderte ihre Ermittlungen. Nur selten stärkte er ihr den Rücken. Dafür geht es ihm in der letzten Folge der Reihe, Evas letzter Gang (Freitag, 20.15 Uhr, Arte), so richtig an den Kragen. Gut so. Mit diesem Finale schließt sich die Klammer zum Anfang. Vor 17 Jahren starb Martina Weiss durch einen fingierten Hausbrand. Ihr Grundstück war einem Immobiliendeal im Weg, der einer korrupten Männerpartie viel Geld brachte. Der Fall wurde nie ganz geklärt, Weiss' Kinder sind inzwischen erwachsen. Verdecktes Spiel hieß 2002 diese erste Folge mit Berger als Prohacek und ihrem kongenialen, oft unterschätzten Kollegen André Langner, gespielt von Rudolf Krause. Autor Alexander Adolph und Regisseur Friedemann Fromm wurden dafür mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

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"Ich habe mir die Frau anverwandelt. Ich kenne mich aus mit ihr. Es wird mir schwerfallen, sie aufzugeben", sagte Berger 2018 dem STANDARD. Schwer ist der Abschied auch für Kollegen Langner. Was die beiden verbindet, ist ein moralischer Konsens, der sich nicht nur über Gesetze definiert. Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch ethisch vertretbar. Wirklich innig wurde die Beziehung zwischen den beiden aber nie, bis zum Schluss bleiben sie per Sie. Prohacek ist keine, die Menschen an sich ranlässt, sie braucht Distanz.

Böses in den eigenen Reihen

Unbeholfen schenkt ihr Langner einen Kochkurs ("vitale Küche"): damit sie auch im Ruhestand unter Leute kommt. Gut gemeint, aber ziemlich daneben. "Ich vertrage es nicht, wenn man sich so um mich kümmert. Außerdem gehe ich in den Ruhestand, nicht in ein Pflegeheim." Ruhe zu geben ist für die Prohacek nicht einfach. Wie denn auch, wenn sie, die 30 Folgen lang immer für das Gute gekämpft hat, noch immer viel Böses in den eigenen Reihen vermutet. Dienstwaffe, Schussweste, Handschellen gibt sie ab, den Dienstausweis aber will sie noch nicht rausrücken. Man ahnt, den braucht sie noch für ihren letzten Akt.

Sarah, die Tochter der vor 17 Jahren verbrannten Martina Weiss, wurde Polizistin. Sie will dafür sorgen, dass die Mörder ihrer Mutter zur Rechenschaft gezogen werden. Mit allen Mitteln. Ein Täter von damals schaffte es in den Zeugenschutz, hielt dafür die honorigen Hintermänner geheim. Die werden immer nervöser, als ihr illegales Treiben aufzufliegen droht. Allen voran Claus Reiter, der verdammt viel Dreck am Stecken hat.

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Der letzte Fall ist einer, der Prohacek so richtig mitnimmt. Da darf die oft so spröde Ermittlerin auch mal schwach sein. Die Skrupellosigkeit ihres Chefs und seiner bayrischen Spezln geht ihr nahe. Wir wissen, die Gier ist ein Hund.

Es sind diese langsamen, präzise inszenierten Szenen, die man vermissen wird. Hier kann Senta Berger zeigen, was sie als Schauspielerin ausmacht. Action gibt es anderswo genug.

"Was haben wir eigentlich erreicht? Es hat sich nichts geändert", sagt Prohacek frustriert. Sie hat recht. Machtmissbrauch, Ungerechtigkeiten, Korruption wird es weiterhin geben, aber auch Menschen, die sich dagegen wehren. Zumindest im Fernsehen. (Astrid Ebenführer, 25.10.2019)