Kindergartenkinder.

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Wien/Berlin – Gegen den in Österreich registrierten Verein Original Play gibt es nach Berichten der ORF-"ZiB 2" und des ARD-Politikmagazins "Kontraste" Vorwürfe in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch. Bei Original Play dürfen Erwachsene mit ihnen fremden Kindern rangeln. Der Gründer der Initiative, Fred Donaldson, wies die Kritik im Gespräch mit den Sendern zurück.

Laut ORF und ARD wird das Spiel in deutschen Kindertagesstätten (Kitas) sowie heimischen Kindergärten und Volksschulen seit Jahren angeboten. Experten kritisierten das Angebot allerdings: "Für mich ist das eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern", sagte etwa die Trauma-Expertin Michaela Huber dem ARD-Magazin. Der in Salzburg tätige Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch forderte rechtliche Konsequenzen: "Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation im Kindergarten zu Kindern sucht – und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise."

Kuschel- und Raufausbildung ist zu wenig

Raphaela Keller, die Vorsitzende des österreichischen Berufsverbands der Kindergarten- und HortpädagogInnen, sagte im Ö1-"Morgenjournal" am Freitag, dass ihr zwar noch keine Berichte über Missbrauchsverdacht in österreichischen Kinderbetreuungseinrichtungen zugetragen wurden, aber es sei klar, "dass das so einfach nicht geht", was Original Play mit den Kindern mache.

ZIB 2: Kinderpsychiater warnt eindringlich vor Original Play.
ORF

Die Arbeit mit Kindern sei immer eine "Gratwanderung", vor allem wenn es um potenzielle sexuelle Grenzverletzungen gehe. "Kinder brauchen Körperkontakt, das gehört zur Bildungsqualität – aber nicht mit Fremden", betonte Keller. Dass Original Play nach einer nur zweitägigen "Ausbildung" sogenannte "Lehrlinge" auf Kinder loslässt, sei "überhaupt nicht akzeptabel". Die elementarpädagogische Arbeit mit Kindern brauche "höchst qualifizierte Menschen, die nicht nur eine Kuschel- oder Raufausbildung haben".

Die Interessenvertreterin der Elementarpädagoginnen verwies auf die bestehenden schlechten Rahmenbedingungen in Österreich, die durch einen extremen Personalmangel geprägt seien. Auch das sei mitunter ein Grund dafür, dass Einrichtungen Externe hineinholen, zum Beispiel auch von zweifelhaften Gruppen wie Original Play. Deren Konzept sei "sicher ein gutes, aber die Aus- und Durchführung ist gefährdend", unterstrich Keller, die sich erneut für ein Bundesrahmengesetz für alle Kinderbetreuungseinrichtungen aussprach. Hier sei das Bildungsministerium gefordert.

Nicht überprüft

Original Play wird den Berichten zufolge in Kindereinrichtungen als pädagogisches Konzept angeboten, sei aber weder von Behörden noch von Kita-Trägern unter dem Aspekt des Kinderschutzes überprüft worden. Die Initiative agiert demnach als Verein in Österreich und als Stiftung in Polen. Um Original Play in Kindergärten zu spielen, könne sich laut ARD jeder im Internet gegen eine Gebühr von 250 Euro für einen Workshop bei dem Verein anmelden. Sogenannte Lehrlinge würden dann die Spiele in den Kindergärten organisieren.

Das ARD-Magazin berichtete von sechs Verdachtsfällen in Berlin und Hamburg im Jahr 2018. Die Ermittlungsbehörden hätten die Verfahren aber nach kurzer Zeit eingestellt, weil die Kinder zu klein waren, den Eltern nicht geglaubt worden sei oder Ermittlungsfehler gemacht worden sein sollen. Der Berliner CDU-Innenpolitiker Burghard Dregger forderte die Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen schwerer Kindesmisshandlung gegen Verantwortliche einer evangelischen Kita und ein Verbot von Original Play in Berliner Kindertagesstätten. Das bayrische Staatsministerium erklärte gegenüber "Kontraste": "Original Play hat in unseren Kindereinrichtungen nichts zu suchen."

Gründer weist Kritik zurück

Fred Donaldson wies im Gespräch mit dem ORF und der ARD zurück, dass seine Methode Kindesmissbrauch möglich mache. Er habe auch keine Kenntnisse über konkrete Vorfälle. "Ob es passieren kann? Theoretisch nein. Das ist ja eine andere Denkweise: Wer jemanden missbraucht, kann die Berührungen, die ich unterrichte, nicht gebrauchen", wurde er von der "ZiB 2" zitiert.

Dem heimischen Bildungsministerium liegt laut "ZiB 2" übrigens keine Liste an Vereinen vor, die in Kindergärten tätig sind. Die meisten Bildungsdirektionen hätten auf Anfrage nicht gewusst, was Original Play ist.

Neos fordern Aufklärung

In Niederösterreich reagierten die Neos auf die Berichte über Original Play und die Unwissenheit der Behörden mit einer Anfrage an Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP). "Wo auch immer der Verdacht besteht, dass es zu einem missbräuchlichen Verhalten gegenüber Kindern kommt, muss genau hingeschaut werden", sagte Neos-Niederösterreich-Chefin Indra Collini. Im Fall des Vereins Original Play entstehe "jedenfalls der Eindruck, dass sich Fremde über ein vermeintliches Spiel auf vollkommen unangemessene Art und Weise Kindern nähern durften. Das legt nicht zuletzt ein Video nahe, das offenbar in einem Kindergarten des Landes Niederösterreich entstanden ist."

Die Neos wollen daher wissen, ob – und wenn ja, seit wann Teschl-Hofmeister über den Verein Original Play in Kindergärten in Niederösterreich Kenntnis hat. Gefragt wird auch, ob er womöglich auch an Pflichtschulen aktiv wurde und ob es zwischen dem Land Niederösterreich und Original Play ein Vertragsverhältnis gibt. (red, APA, 24.10.2019)