Mit seinem Elektronikriesen Samsung gehört Südkorea zu den Großen der weltweiten Halbleiter- und Mikroelektronik-Industrie.

Foto: AFP/ HO

Seoul – Südkorea will seinen Status als Entwicklungsland bei der Welthandelsorganisation (WTO) aufgeben. Seoul wolle in künftigen Verhandlungen nicht länger Begünstigungen als Entwicklungsland in Anspruch nehmen, teilte das Finanzministerium in Seoul mit. Allerdings kündigte das Land an, nun verstärkt Anstrengungen zu unternehmen, um die Landwirtschaft zu schützen. Südkorea ist die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens.

Südkorea hatte sich bei seinem Beitritt zur WTO 1995 als Entwicklungsland eingestuft. Die meisten der 164 WTO-Mitglieder nehmen für sich in Anspruch, Entwicklungsländer zu sein. Dazu gehören neben China und Indien manche der reichsten Länder der Welt, so wie Südkorea, Saudi Arabien, Brunei, Katar oder der Oman. Die USA wollen, dass künftig Länder keine WTO-Privilegien erhalten dürfen, die von der Weltbank als Staaten mit hohem Einkommen eingestuft werden.

Dumpingzölle erschwert

Der Marktwirtschaftstatus würde es Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO) deutlich schwerer machen, gegen große Exportnationen wie China oder Südkorea Antidumpingzölle zu verhängen.

Hintergrund dürfte der schwelende Handelsstreit mit Japan sein, in dem sich die beiden Länder gegenseitig mit Kontrollen und Strafzölle für den Export "strategischer Güter" überziehen. Im September hatte das Handelsministerium in Seoul ein neues System installiert, in dem Japan aus der Gruppe von bevorzugten Handelspartnern fällt, für die unter anderem ein beschleunigtes Exportverfahren gilt. Zuvor hatte Tokio eine ähnliche Maßnahme eingeführt, südkoreanische Unternehmen müssen jetzt mehr Dokumente als zuvor einreichen, wenn sie "strategische Güter" nach Japan exportieren wollen. Zudem verzögert sich das Verfahren zur Exportgenehmigung.

Schärfere Exportkontrollen

Der Handelskonflikt zwischen den beiden wichtigen Verbündeten der USA hatte sich an einem Beschluss Japans im Juli entzündet, striktere Kontrollen für den Export von Materialien zur Chip- und Display-Produktion nach Südkorea zu verhängen. Zudem gibt es einen Disput über die Entschädigung koreanischer Zwangsarbeiter während der japanischen Kolonialherrschaft (1910 bis 1945). Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hatte im Vorjahr zwei japanische Konzerne angewiesen, Schadenersatz an ehemalige Zwangsarbeiter zu zahlen. Tokio sieht das Thema Entschädigung durch einen bilateralen Vertrag von 1965 als abgeschlossen an.

Japan hatte Südkorea im August von der sogenannten "weißen Liste" bevorzugter Handelspartner gestrichen. Südkorea hatte mit Vergeltung gedroht. Zudem beendete Seoul zuletzt ein Geheimdienstabkommen mit Tokio und brachte den Disput um die strengeren Exportkontrollen durch Japan vor die Welthandelsorganisation WTO. (Reuters, dpa, red, 25.10.2019)