Demonstranten auf dem Weg ins Regierungsviertel.

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Tränengaseinsatz.

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Die Nachrichtenagentur AP meldet, dass die Sicherheitskräfte mittlerweile auch mit scharfer Munition schießen.

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Demonstranten versuchen, eine Sperre auf der Brücke in die Grüne Zone zu entfernen.

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Bagdad – Im Irak sind am Freitag neue Proteste gegen Korruption und Misswirtschaft in Gewalt eskaliert – mindestens 27 Menschen kamen dabei ums Leben. Mehr als 1.700 Menschen seien zudem verletzt worden. Demonstranten hatten unter anderem in Bagdad versucht, in die besonders geschützte Grüne Zone zu gelangen, in der viele Regierungseinrichtungen und Botschaften liegen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas, scharfe Munition und Gummigeschoße ein.

Allein in Bagdad starben den Angaben der Menschenrechtskommission zufolge acht Menschen. Hier seien mit fast 1.500 Verletzten auch die meisten Menschen verletzt worden, sagte Faisal Abdullah von der Menschenrechtskommission der Deutschen Presse-Agentur. Bereits Anfang des Monat waren bei tagelangen Protesten in Bagdad und anderen Regionen des Landes fast 150 Zivilisten getötet worden. In einem Bericht der Regierung hieß es später, die meisten von ihnen seien durch Schüsse in Kopf oder Brust ums Leben gekommen.

Arbeitslosigkeit, Korruption und Misswirtschaft

Der Unmut der Bevölkerung richtet sich seit längerem gegen die Regierung von Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi. Tausende hatten Anfang des Monats tagelang gegen hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und Misswirtschaft protestiert. Bei schweren Auseinandersetzungen wurden einem am Montag veröffentlichten Regierungsbericht zufolge seinerzeit 149 Menschen getötet, weil die Sicherheitskräfte übermäßige Gewalt angewandt und scharf geschossen hätten.

Sistani mahnt Demonstranten und Sicherheitskräfte

Nach etwa zwei Wochen Unterbrechung setzten die Proteste nun wieder ein. Der führende schiitische Geistliche des Landes, Großajatollah Ali al-Sistani, rief Demonstranten und Sicherheitskräfte dazu auf, friedlich zu bleiben. Wahre Reformen und ein Wandel im Land müssten mit friedlichen Mitteln erreicht werden.

Zugleich erklärte Sistani, der sich allenfalls in Krisen ins politische Geschäft einmischt, die Sicherheitskräfte dürften Gewalt gegen privaten und öffentlichen Besitz nicht zulassen. Am Donnerstag hatte Ministerpräsident Mahdi erklärt, die Menschen hätten die Freiheit, ihre Meinung kundzutun. Gewalt werde aber nicht toleriert.

Trotz des Ölreichtums leben viele Iraker in Armut und haben nur begrenzt Zugang zu sauberem Wasser, Elektrizität, Bildung und Gesundheitsversorgung. Die Regierung hat Reformen versprochen. Ein 17-Punkte-Plan stellt unter anderem Unterstützung für Arbeitslose sowie Hinterbliebene von getöteten Demonstranten in Aussicht. (red, APA, Reuters, 25.10.2019)