Alice Robinson bestätigte – nicht unbedingt erwartet – ihr großes Talent. Ihr erster Weltcupsieg kam dann aber doch überraschend flott.

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Mikaela Shiffrin startete erwartet stark in die neue Saison, am Ende blieb ihr nur Platz zwei.

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17 Jahre jung und schon sehr erfolgreich.

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Das nur hinter Sonnenbrille verborgene neue Siegergesicht.

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Sölden – Sensation bei dem von basslastigen und bis an die Schmerzgrenze dröhnenden Disco-Rhythmen umrahmten Weltcupauftakt in Sölden. Die erst 17-jährige Neuseeländerin Alice Robinson bezwang bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Bedingungen in der Gletscherregion oberhalb 2600 Metern die Dominatorin der Technikerinnenszene, Mikaela Shiffrin, in 2:17,36 Minuten um sechs Hundertstel. Die US-Amerikanerin hatte nach dem ersten Durchgang – wenn auch mit 14 Hundertstel denkbar knapp – noch vor der Juniorenweltmeisterin geführt. Dritte am Rettenbachferner wurde Vorjahressiegerin Tessa Worley (+0,36) aus Frankreich.

Gritsch Siebente, Saisonende für Schild

Aus skisportlicher Sicht wird dieser 26. Oktober nicht als Feiertag Eintrag in die Geschichtsbücher finden. Als beste Österreicherin klassierte sich Franziska Gritsch (1,41) als Siebente, Ramona Siebenhofer (1,50) belegte Rang zehn, Katharina Truppe (2,31) musste sich mit Platz 19 begnügen. Großes Pech hatte zudem Bernadette Schild, die sich bei einem Sturz im zweiten Lauf einen Kreuzbandriss zuzog, wie nach dem Abtransport per Hubschrauber im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck diagnostiziert wurde. Die Salzburgerin war nach Lauf eins als Zwölfte beste Österreicherin. Eva-Maria Brem (2,78) als 25. und Ricarda Haaser als 28. und Letzte im Klassement blieben deutlich unter den Erwartungen.

Überraschte und überwältigte Siegerin

"Das ist wirklich verrückt, ich war nervös, wollte ruhig bleiben und versuchen, es zu genießen, sagte Robinson mit Tränen (unter der Skibrille) und Stimme kämpfend im ORF-Interview. Sie hatte gehofft, vielleicht um einen Podiumsplatz mitkämpfen zu können, aber zu gewinnen, kam auch für sie überraschend. Gesamtweltcupsiegerin Shiffrin zeigte sich mit dem Podestplatz im ersten Rennen der neuen Saison zufrieden, sie sei im ersten Moment schon etwas enttäuscht gewesen, weil sie keine ganz pefekte Leistung abgeliefert habe, gratulierte aber der neuen Siegerin im Skizirkus: "Alice ist wirklich fantastisch gefahren. Man konnte schon im Vorjahr sehen, dass sie auf dem Weg zu einer wirklich starken Skifahrerin ist. Ich mag, wie sie Ski fährt. Dass sie heute gewonnen hat, ist aufregend."

Gritsch war nach dem ersten Lauf nur 28., nützte die gute Startnummer und holte in ihrem sechsten Weltcupriesentorlauf mit zweitbester Laufzeit in der Entscheidung erstmals Punkte. Bei der WM in Aare hatte sie mit dem Team Silber errungen. "Ich freue mich wahnsinnig, dass ich es im zweiten Durchgang zeigen konnte. Ich habe Gas gegeben, ich finde das einfach mega", sagte die Lokalmatadorin aus dem Ötztal.

Robinson in Soldeu erstmals am Podest

Robinson sorgte für den erst sechsten Weltcupsieg für Neuseeland, den ersten im Riesentorlauf. Geboren in Sydney zog sie im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern nach Neuseeland. Sie gab Anfang Jänner 2018 in Kranjska Gora ihr Debüt im Weltcup, ihre ersten Punkte holte sie bei ihrem neunten Weltcupeinsatz im März als 16. beim Riesentorlauf in Spindlermühle. Bei der WM überraschte sie mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang des Riesentorlaufs, am Ende reichte es für Platz 17. Wenige Tage später avancierte sie im Fassatal mit über einer Sekunde Vorsprung zur Juniorenweltmeisterin. Beim Saisonfinale in Soldeu holte sie dann im Riesentorlauf als Zweite hinter Shiffrin ihren ersten Podestplatz.

Für eine weitere Überraschung sorgte die Norwegerin Maria Therese Tviberg, die in ihrem erst zweiten Weltcupriesentorlauf mit Startnummer 58 zunächst auf Platz 26 fuhr und sich im Finale auf Rang sechs verbesserte. Die slowakische Weltmeisterin Petra Vlhova scheiterte mit ihrem Großangriff nach Platz sieben in Lauf eins und musste sich mit Rang 14 hinter der zweifachen Söldensiegerin Viktoria Rebensburg aus Deutschland begnügen. Als Vierte nach Lauf eins stürzte die Slowenin Meta Hrovat in der Entscheidung.

Prominente Abwesende

Nicht am Start war Österreichs Nummer eins, Stephanie Brunner, die nach ihrem dritten Kreuzbandriss in 17 Monaten pausieren musste. Sie war vergangene Saison in Sölden Fünfte, in den beiden Jahren davor jeweils Vierte. Für Anna Veith, 2014 Ex-aequo-Siegerin mit Shiffrin beim Auftakt, kam ein Start nach der Verletzungspause noch zu früh. Katharina Liensberger durfte mangels Ausrüstervertrag nicht mitmachen. (Thomas Hirner, 26.10.2019)

Weltcup-Riesentorlauf in Sölden:

1. Alice Robinson (NZL) 2:17,36 Min.
2. Mikaela Shiffrin (USA) +0,06 Sek.
3. Tessa Worley (FRA) +0,36
4. Mina Fürst Holtmann (NOR) +0,85
5. Federica Brignone (ITA) +0,87
6. Maria Therese Tviberg (NOR) +1,03
7. Franziska Gritsch (AUT) +1,41
8. Lara Gut-Behrami (SUI) +1,46
9. Michelle Gisin (SUI) +1,47
10. Ramona Siebenhofer (AUT) +1,50
11. Tina Robnik (SLO) +1,55
12. Marta Bassino (ITA) +1,66
13. Viktoria Rebensburg (GER) +1,73
14. Petra Vlhova (SVK) +1,78
15. Wendy Holdener (SUI) +1,85
16. Andrea Ellenberger (SUI) +1,89
17. Sara Hector (SWE) +1,99
18. Lena Dürr (GER) +2,07
19. Katharina Truppe (AUT) +2,31
20. Thea Louise Stjernesund (NOR) +2,42
21. Irene Curtoni (ITA) +2,48
. Nina O'Brien (USA) +2,48
23. Ana Bucik (SLO) +2,59
24. Roberta Melesi (ITA) +2,65
25. Eva-Maria Brem (AUT) +2,78
26. Francesca Marsaglia (ITA) +2,79
27. Alexandra Tilley (GBR) +3,41
28. Ricarda Haaser (AUT) +7,80

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Kristin Lysdahl (NOR)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Bernadette Schild (AUT), Meta Hrovat (SLO)

U.a. nicht für 2. Durchgang qualifiziert: 54. Elisa Mörzinger, 56. Nadine Fest, 59. Rosina Schneeberger (alle AUT)

Zweiter Durchgang:

1. Maria Therese Tviberg (NOR) 1:07,96
2. Franziska Gritsch (AUT) 1:08,22 +0,26
3. Ramona Siebenhofer (AUT) 1:08,37 +0,41
4. Tessa Worley (FRA) 1:08,59 +0,63
5. Tina Robnik (SLO) 1:08,83 +0,87
. Michelle Gisin (SUI) 1:08,83 +0,87
7. Lara Gut-Behrami (SUI) 1:08,85 +0,89
8. Andrea Ellenberger (SUI) 1:09,01 +1,05
9. Lena Dürr (GER) 1:09,04 +1,08
10. Marta Bassino (ITA) 1:09,09 +1,13
11. Roberta Melesi (ITA) 1:09,20 +1,24
12. Wendy Holdener (SUI) 1:09,25 +1,29
13. Mina Fürst Holtmann (NOR) 1:09,26 +1,30
14. Viktoria Rebensburg (GER) 1:09,33 +1,37
. Alice Robinson (NZL) 1:09,33 +1,37
Weiter:
20. Katharina Truppe (AUT) 1:09,62 +1,66
21. Eva-Maria Brem (AUT) 1:09,73 +1,77
28. Ricarda Haaser (AUT) 1:14,81 +6,85

Erster Durchgang:

1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:07,89
2. Alice Robinson (NZL) 1:08,03 +0,14
3. Federica Brignone (ITA) 1:08,75 +0,86
4. Meta Hrovat (SLO) 1:08,84 +0,95
5. Mina Fürst Holtmann (NOR) 1:08,95 +1,06
6. Tessa Worley (FRA) 1:09,13 +1,24
7. Petra Vlhova (SVK) 1:09,36 +1,47
8. Thea Louise Stjernesund (NOR) 1:09,55 +1,66
9. Francesca Marsaglia (ITA) 1:09,73 +1,84
10. Viktoria Rebensburg (GER) 1:09,76 +1,87
11. Sara Hector (SWE) 1:09,82 +1,93
12. Bernadette Schild (AUT) 1:09,85 +1,96
13. Marta Bassino (ITA) 1:09,93 +2,04
14. Wendy Holdener (SUI) 1:09,96 +2,07
15. Lara Gut-Behrami (SUI) 1:09,97 +2,08

Weiter:
19. Katharina Truppe (AUT) 1:10,05 +2,16
23. Ricarda Haaser (AUT) 1:10,35 +2,46
25. Eva-Maria Brem (AUT) 1:10,41 +2,52
27. Ramona Siebenhofer (AUT) 1:10,49 +2,60
28. Franziska Gritsch (AUT) 1:10,55 +2,66